Kristin Helberg

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Journalistin, Politikwissenschaftlerin, Autorin, Moderatorin. Syrien, Nahost, Außenpolitik, Migration, Integration, Islam. Bücher zu Syrien, Syrern in Deutschland, Syrienkrieg.

Das ist Nada Sarkis. Sie ist Christin, Künstlerin und auf Ikonen spezialisiert. Alle Werke sind mit natürlichen Pigmenten auf Holz gemalt. Die Ausstellung im Nationalmuseum war schon mit dem alten Regime abgesprochen, aber einige der Bilder hätte sie unter Assad nicht zeigen können - zu kritisch.

Das ist Ali Rahmon. Er ist Alawit und Kommunist, saß 9 Jahre wegen seiner politischen Meinung im Gefängnis. Sicher fühlt er sich im neuen Syrien nicht. Weder als Alawit noch als Verteter des Syrischen Demokratischen Rates, eines Zusammenschlusses von 35 Parteien.

Das ist Marwa Othman, Englischlehrerin in Arbin. Dort haben die Kinder zwischen 2012 und 2018 in unterirdischen Schulen gelernt aus Angst vor den Luftangriffen des Assad-Regimes. Der Vorort von Damaskus gehört zu den jahrelang oppositionell verwalteten Gebieten, die abgeriegelt+bombardiert wurden.

Das ist Khalaf al-Jasem. 18 Jahre alt und Schuhverkäufer in Damaskus. Einen Schulabschluss hat er nicht, aber Erfahrung mit Markenschuhen aus Europa. Eigentlich stammt die Familie aus Raqqa, von dort floh Khalaf 2016 mit seinen Eltern und zwei Geschwistern vor dem IS in den Libanon.

Das ist Safa Al Rifai. Eine von vielen stillen Heldinnen Syriens. Jahrelang hat sie dt. Spendengelder heimlich an Bedürftige in Damaskus verteilt. Hunderte Familien wurden so versorgt, 85 Stipendiat:innen konnten dadurch studieren, drei arbeiten jetzt als Ärzte für Iradati, die Syrienhilfe e.V.

Das ist Majed al-Ayoubi. Früher habe ich bei ihm ab und zu Brot gekauft. Nachfahre von Salahedin al-Ayoubi, also Kurde aus Damaskus. Außerdem säkularer Ex-Kommunist. Er ist sehr glücklich, das das Assad-Regime endlich weg ist. Newroz konnten die Kurden in Damaskus dieses Jahr ausgiebig feiern.

Das ist Huda Khayti. Sie leitet ein Frauenzentrum in der Stadt Idlib. Dort erinnert eine Fotowand an 14 Jahre Revolution und Krieg: Proteste, Chemiewaffen und Folter, Fassbomben, Flucht, Leben im Zelt und Befreiung. Huda ist voller Tatendrang und Zuversicht, zugleich kritisch und realistisch.

Darf ich vorstellen? Syriens Zukunft. Bei meinem Besuch einer Mädchenschule (in Syrien lernen die meisten Jungen und Mädchen bis zur 6. Klasse zusammen, von der 7. bis zur 12. Klasse getrennt, an der Uni wieder zusammen) haben die 15- bis 17jährigen Mädchen ihr Herz ausgeschüttet.

„Dreams come true“ - auf den Spuren der syrischen Revolution in Kafranbul. Hier haben Aktivisten wie Raed Fares, Khaled al-Issa und Hamoud Jned jahrelang den zivilen Widerstand organisiert - mit politischen Botschaften auf englischsprachigen Bannern, im Lokalen Rat, mit Radio Fresh FM und Protesten.

Das ist Dua‘. Sehr klug, ehrgeizig, willensstark und großherzig. Mit einem Traum: Medizin zu studieren. Eine von vielen Frauen mit Niqab, die ich getroffen habe. 2013 floh Dua‘ mit ihrer Familie aus dem Umland von Hama vor den Bomben des Assad-Regimes nach Qah in der Provinz Idlib.

Keine Präsidentenporträts, bettelnde Kinder, die Dächer voller Solarpanels, freundliche Sicherheitskräfte und bündelweise Bargeld in schwarzen Plastiktüten. So weit der erste Eindruck vom neuen Syrien. Und dann erzählt dir jeder Taxifahrer von einem anderen Syrien.

Je mehr Menschen man spricht, desto differenzierter und kompletter das Bild. Das gilt für Syrien dieser Tage ganz besonders. Ich werde deshalb hier (wie bereits auf FB) einige der Personen vorstellen, die ich auf meiner elftägigen Recherchereise durch Syrien getroffen habe.

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Ein Monat ist seit dem Sturz des Assad-Regimes vergangen, Zeit für eine erste Bilanz. Wo steht #Syrien heute? Noch ist alles möglich, jeden Tag werden Weichen gestellt, die Dynamik ist schwindelerregend, viele Akteure engagieren sich. 🧵 1/15