Lisa Poettinger

@lisapoettinger.bsky.social

Kinderpflegerin. Lehramtsanwärterin https://lasstlisalehren.de Buch➡️oekom. Klimaaktivistin. Marxistin. 📸Sandra Singh. #RefugeesWelcome, #Antifa 🏳️‍🌈🚩

Heute durften einige von uns in Palästina auf einer biologischen Farm mithelfen, von Siedlern zerstörte Mauern wiederaufzubauen. Auch Olivenbäume wurden hier schon gefällt. Heute wurden wir besonders gewarnt, dass es zu Kontakt mit Siedlern kommen könnte, aber das war zum Glück nicht so.

„It is not a matter of borders and owning land, it is a matter of sheer existance. In taking our lands away, they have even destroyed the hope in a two-state solution.“, sagt eine palästinensische Freundin & erklärt, dass 70% der Olivenanbauflächen Farkhas durch israelische Siedler geraubt wurden.

Was ist UNSERE Rolle in der weiterhin stattfindenden Vertreibung der Palästinenser:innen? Sie hängt nicht nur mit deutschen Waffenexporten und Partnerschaften oder der Tatsache zusammen, dass die EU den größten Markt für Israel bietet.

Sehr sweet: In Farkha/Palästina gibt es jeden Abend eine Dankesrunde durch den Bürgermeister. Heute wurden unter anderem die Altstadt sauber gemacht, eine Bühne aufgebaut, Teile einer neuen Steinterasse gebaut, die Schule gestrichen, die ökologischen Gärten weiter bearbeitet.

Ein anderer sagt, unsere gemeinsame Menschlichkeit als Weltgemeinschaft steht in Palästina auf dem Spiel. Es erinnert mich an einen Genossen Zuhause, der sagte: “Der Rechtsruck hier hätte nicht so vonstatten gehen können ohne die Entmenschlichung der Palästinenser:innen.”

Was ist UNSERE Rolle in der weiterhin stattfindenden Vertreibung der Palästinenser:innen? Sie hängt nicht nur mit deutschen Waffenexporten und Partnerschaften oder der Tatsache zusammen, dass die EU den größten Markt für Israel bietet.

„It is not a matter of borders and owning land, it is a matter of sheer existance. In taking our lands away, they have even destroyed the hope in a two-state solution.“, sagt eine palästinensische Freundin & erklärt, dass 70% der Olivenanbauflächen Farkhas durch israelische Siedler geraubt wurden.

Ökologische Kriegsführung. Das Jordan Valley bietet vielen Palästinenser:innen mit Wasserquellen und guten Böden eine ökologische Lebensgrundlage. Hier gab es Feigen- & Traubenanbau, Tierherden, mehrere Tonnen an Olivenölexporte.

Und gleich nebendran: Wasserrohre. Die dienen den israelischen Dattel-Plantagen auf annektiertem palästinensischen Land und trocknen die Wasserquellen der Palästinenser:innen aus. Palästinensische Kinder arbeiten auf diesen Plantagen, manchmal fallen sie wegen der Hitze vom Baum.

Ihre bloße Identität ist existenzbedrohend für sie. Man würde gar nicht meinen, dass wir hier in Palästina sind. Überall Israelflaggen, Checkpoints, die Ruinen zerstörter Gemeinschaften, ausgetrocknete Flüsse in der sengenden Hitze

Unser Busfahrer hat seinen Kindern nicht-arabische Namen gegeben. Er vermutet, dass sie später nicht in Palästina leben werden. Und er will ihr Leben leichter machen - also keine arabischen Namen. So rassistisch ist die Realität. So real die Vertreibung.

Teilweise säumen Israelflaggen die Straßen im 20 m Abstand und die Unterdrückung ist groß genug, dass sie nicht abgerissen, verbrannt oder bemalt werden so wie es den palästinensischen Häusern passiert. Knast, Todesschüsse sind die Realität bei Widerspruch.

Da werden einfach neue Realitäten geschaffen. Teilweise durch Zäune oder durch Betonblöcke, die vor Gefahr beim Betreten warnen. Oder durch israelische Militäranlagen. Beduinische Gemeinschaften gibt es kaum mehr.

Diese Kontrolle, wer hier wohin darf, zeigt sich auch an der Flughafenschließung in Ramallah. So gibt es keinen Weg nach Palästina ohne israelische Grenzkontrollen und dort hat man lieber keine politischen Symbole an sich oder gar die Intention, in der Westbank einen Kindergarten zu streichen…

Wegen der Checkpoints und der jederzeit absperrbaren Tore vor palästinensischen Dörfern kommen medizinische Notfälle oder gebährende Frauen nicht rechtzeitig ins Krankenhaus mit großen Risiken bis hin zum Tod der Betroffenen und Neugeborenen.

Heute sind wir in Farkha, in der West Bank. Unsere Zeit hier hat mit einer kleinen Demo gestartet. Heute durfte ich mit den Genoss:innen in den ökologischen Gärten arbeiten. Das Ziel ist Suffizienz, denn wer für das eigene Essen sorgen kann, ist frei.

Dass wir beim Checkpoint-Warten auch nach Ewigkeiten nicht raushüpfen können, um zu pinkeln, weil wir sonst tödliche Schüsse riskieren, bringt uns die alltägliche Realität der Palästinenser:innen etwas näher.

Anders als in unterdrückteren Teilen der Westbank ist in Farkha eine kämpferische Stimmung. Hier zeigen die Menschen, dass es ihr Zuhause ist, sie sagen, sie werden sich nicht vertreiben lassen und für ein freies Palästina kämpfen.

Kleine Demo mit Palästinaflaggen und Sonnenuntergang

Unser Busfahrer hat seinen Kindern nicht-arabische Namen gegeben. Er vermutet, dass sie später nicht in Palästina leben werden. Und er will ihr Leben leichter machen - also keine arabischen Namen. So rassistisch ist die Realität. So real die Vertreibung.

Wir fahren an einer Ruine vertriebener paläst. Dörfer nach der anderen vorbei. An mit Maschinengewehr-Checkpoints. An Stacheldraht. Und uns danken die Palästinenser:innen hier zutiefst für das, was selbstverständlich sein sollte: Alle Menschen als gleich wert zu betrachten.

43 Grad im Jordan Valley. Wir als europäische Delegation schwitzen im klimatisierten Bus, von dessen Sicherheit aus wir die Apartheid in der Westbank sehen können. Die Palästinenser:innen hier sind nicht in dieser privilegierten Position..