DoktorMira

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Anästhesiologische Intensivmedizinerin Zertifizierte Ethikberaterin im Gesundheitswesen Zukünftige Palliativmedizinerin Bücherverrückt Pnp- und Brettspielnerd 🏳️‍🌈 #Intensivmedizin #Ethik #SprechendeMedizin #medibubble

Aus der #Palliativmedizin: Eine Patientin kommt im Delir aus der Ambulanz, Chemo war aufgrund des Zustandes nicht möglich. Festgestellt haben wir einen Infekt. Die Patientin baut immer weiter ab. Eine Chemo wird immer unwahrscheinlicher, der Krebs explodiert nahezu im ganzen Körper.

Aus der #Palliativmedizin: Die nur sitzende Patientin hat sich heute nach schweren Luftnotattacken für eine Sedierung entschieden. Sie hat ihre Angehörigen einbestellt, mit der Seelsorge gebetet und ist mit einem "Tschüss" im Beisein ihrer Angehörigen eingeschlafen.Jetzt liegt sie friedlich da.

Aus der #Palliativmedizin: Eine Patientin "sprengt" das System. Vier bis fünfmal pro Tag Anrufe beim SAPV, jeden Tag telefonische Kontaktaufnahme. Dann Einweisung weil ambulant nicht machbar. Bei uns ebenfalls unzähliges Klingeln, Forderungen, Unzufriedenheit, Fragen über Fragen.

Aus der #Palliativmedizin: Es ist immer wieder traurig und erstaunlich zugleich, mit was für Einschränkungen sich Menschen arrangieren. Ob aus Angst, Gleichmut, Unwissenheit oder allem zusammen kann ich nicht sagen. Eine Patientin schläft seit Monaten nur im Sitzen. Zuhause am Küchentisch..

Aus der #Palliativmedizin: Nach dem gestrigen Katastrophentag bin ich heute wieder getröstet. Ein Patient den ich gequält, vor Schmerzen gekrümmt und latent suizidal übernommen habe, ist durch adäquate Schmerztherapie und die gute Versorgung nun entspannt und isst/trinkt wieder kleine Mengen. Schön!

Heute ist #Welthospiztag Hospize sind Begleitungsorte für Schwerstkranke mit sehr begrenzter Lebenszeit. Manchmal bis zum Sterben und manchmal nur vorübergehend. Sie finanzieren sich zu 95% über die Krankenkasse und zu 5% über Spenden. Ein Monat im Hospiz kostet um die 15.000€.

#Patientenverfügung Eigentlich gehören Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht zusammen. Mit dieser gibt man einer vertrauten Person die Befugnis, für sich zu entscheiden und seine Wünsche umzusetzen, wenn man selbst dazu nicht in der Lage ist. Das können Angehörige, aber auch Freund:innen sein.

#Patientenverfügung Aus den vier Szenarien und den genannten Maßnahmen (s vorherige Posts) kann man eine Tabelle machen und dann entsprechend ankreuzen was man sich wann wie vorstellt. Dazu noch einen Freitext zur Lebensqualität, und fertig ist eine gute Verfügung.

#Patientenverfügung Reanimation? Es kann Szenarien im Leben geben, in denen man sich vorstellen kann reanimiert werden zu wollen und es kann Ausgangssituation geben (wie zb wenn schon eine sehr schwere Krankheit vorliegt) in denen man das evtl nicht mehr möchte. Auch das gehört in eine Verfügung.

#Patientenverfügung Luftröhrenschnitt Ein Luftröhrenschnitt wird zb nötig, wenn nach wenigen Wochen klar wird, dass die Unterstützung einer Beatmungsmaschine noch längerfristig nötig sein wird. Mit einem Luftröhrenschnitt kann der Beatmungsschlauch über den Mund entfernt werden

#Patientenverfügung Künstliche Beatmung, Intubation und Koma Nicht alle Menschen auf der Intensivstation sind zwingend komatös und müssen beatmet werden. Oft ist die Entscheidung hierzu jedoch eine recht invasive und etwas längerfristige( Tage /Wochen) Entscheidung. Man kann dem vorher widersprechen

#Patientenverfügung: Intensivstation Auf der Intensivstation findet mehr Überwachung und dann allermeistens auch intensivierte medizinische Maßnahmen statt.Das kann man aber auch vorab ablehnen. Zb könnte der Fall eintreten,dass man eine Krankenhausaufnahme mit Antibiotikagabe noch vertretbar findet

#Patientenverfügung: Krankenhausaufnahme Das betrifft nach meiner Erfahrung in der Beratung eher ältere oder sehr stark vorerkrankte Menschen, die einfach genug von Krankenhäusern haben und zuhause sterben möchten. Eine Verfügung kann in diesem Fall eine unerwünschte Einweisung ins KH verhindern

#Patientenverfügung: Künstliche Ernährung In der Intensivmedizin wird, wenn nicht anders möglich bzw nichts dagegen spricht, meist sehr schnell künstlich über eine Magensonde ernährt. In guten Verläufe wird diese irgendwann entfernt und der Mensch isst wieder selbst.

#Patientenverfügungen sollten meiner Meinung nach szenarienbasiert sein(je nach dem, in welcher Ausgangslage man sich befindet).Denn was man möchte wenn man zb dement wird, unterscheidet sich oft völlig von dem was man möchte, wenn man aus völliger Gesundheit heraus zb einen schweren Autounfall hat

Zum Thema #Patientenverfügung: Im Dokument sollte das Mindestmaß an Lebensqualität beschrieben werden, für das die Person bereit wäre weiterzuleben. Wenn dieses "Mindest" Ziel mit med. Maßnahmen nicht mehr realistisch zu erreichen ist, würde man Maßnahmen nicht mehr einleiten (=Sterben zulassen)

Aus der #Palliativmedizin: Man kann nicht jeden mit unspezifischen Schmerzen ohne redflags (Taubheit, Lähmung etc) direkt in ein CT schieben. Trotzdem passiert es dann ab und zu, dass bei uns Leute landen, die einfach nur Rückenschmerzen hatten, 50 Jahre alt sind und plötzlich bald sterben..

Aus der #Palliativmedizin: Wenn keine lebenswichtigen Organe direkt betroffen sind, kann Sterben manchmal sehr sehr lange dauern. Wenn der Körper dann auch noch in gutem Allgemeinzustand war, noch länger. Über Medikamente zur Symtomkontrolle wird dann noch täglich ein Minimum Flüssigkeit zugeführt

Aus der #Palliativmedizin: Viele Angehörige fragen mich, wie ich die Arbeit hier nur aushalten könnte. Ich sage: Ich kann überhaupt nichts daran ändern, dass Menschen sterben müssen. Ich kann auch nichts daran ändern, dass es junge Menschen trifft, Menschen unvorbereitet trifft.

Aus der #Palliativmedizin: Ich bin doch teilweise sehr überrascht, wie wenig palliativmedizinisches Basiswissen auch auf Leitungsebene (OÄ) (und damit Vorbild - und Lehrfunktion) vorhanden ist. Denn Sterben findet auf nahezu jeder Station statt, das ist einfach so. Mal mehr, mal weniger.

Aus der #Palliativmedizin: Im Konsildienst habe ich heute einen Patienten wiedergetroffen, den ich Anfang des Jahres über Wochen auf der Intensiv betreut habe. Z.n Cholezystektomie extern,dort Perforation des Darms, übers WE konserviert trotz mehrfacher Hinweise der Ehefrau bzgl des akuten Abdomens.

Aus der #Palliativmedizin: Wir arbeiten eng mit Onkolog:innen zusammen. Und ja, es gibt immer Spezialfälle oder ungewöhnliche Verläufe. Aber oftmals ist die Aussage "Wenn es ihnen dann wieder besser geht, geht's weiter mit der Therapie" überhaupt nicht hilfreich.

Aus der #Palliativmedizin: Manchmal lebt man ohne Therapie höchstwahrscheinlich länger als mit. Auf einen geschwächten Körper noch Chemo oder Immuntherapie zu kippen, kann sowohl den Rest Lebensqualität zunichte machen als durch Komplikationen auch für eine kürzere Restzeit sorgen.

Aus der #Palliativmedizin: Grauenhaft, wenn man nicht gegen das System ankommt. Pat mit Dyspnoe, sitzt seit nun 8h in der Notaufnahme im Rollstuhl auf dem scheiß Flur. Kein Bett, kein Zimmer, keine vernünftigen Opioide ohne Monitoring "Bitte um pall. Mitbetreuung".