Mareike Fallwickl

@mariki.bsky.social

Woman of a certain rage

Für eine Erzählung, die ich schreiben muss, lese ich seit einer Stunde Originalzitate von Christian Lindner, Friedrich Merz und Herbert Kickl, und ich möchte mir das Gehirn aus dem Kopf kratzen.

Auf jeder Lesereise ist es ein wildes Gefühl, wenn Frauen mich bitten, „WUT“ oder „NEIN“ ins Buch zu schreiben, damit sie es sich in meiner Handschrift tätowieren lassen können, like whaat, du trägst das dann auf deiner Haut, ich fühl mich SO geehrt 🔥

Wenn Männer in Dating-Apps „du solltest meine Eier suchen“ schreiben, ist „ich such doch nichts, von dem wir alle wissen, dass es nicht da ist“ als Antwort auch wieder nicht richtig. *für euch getestet

Ich hab einen Roman geschrieben, der die Frage stellt: Aber was, wenn wir uns einfach nicht mehr an Männern ausrichten? Was, wenn Frauen ihr Leben abseits von heteronormativen Modellen gestalten? Er heißt „Haltet euch fest“ und erscheint am 6. Oktober 🖤

Cover von Haltet euch fest

Ich fand ja Sprachwandel schon im Linguistikstudium wahnsinnig interessant, deshalb ist es gut, dass ich ständig viel jüngere Leute date, weil ich Nachrichten bekomme wie „wir können improvisen“ oder „willst du was fooden“ oder „die ist noch viel smasher“ 😅

Ich sehe gerade überall Posts und Videos zu „The art of letting someone be in a bad mood“ als neuesten Selflove-Take und muss so lachen: für alle, die Teenager-Kinder haben, ist das doch einfach nur Alltag.

Es ist ja hochgradig schwierig, von Teenager-Kindern gut gefunden zu werden, aber ich hab heute ein „cool“ bekommen, weil ich mal während der Frankfurter Buchmesse mit der Autorin von „Woodwalkers“ im Taxi gefahren bin 💁🏻‍♀️

Einen Begriff, der mir bei der Recherche zum neuen Roman, in dem es vor allem um Freundinnenschaft geht, untergekommen ist, finde ich sehr schön: emotionships. Menschen, die ihre emotionalen Bedürfnisse auf möglichst viele verschiedene Beziehungen aufteilen, haben die höchste Lebenszufriedenheit.

Ich wurde schon an einigen verrückten Orten um eine Signatur gebeten: an einer Supermarktkassa, im Zug, im Flughafenbus auf Ibiza, auf dem Christkindlmarkt, auf einer Clubtoilette bei einem Konzert. Und heute in der Saunalandschaft.

Warum wollen aktuell so viele Männer in den Dating-Apps „Wahrheit oder Pflicht“ spielen? Das fühlt sich an, als wär ich wieder zwölf, wir tragen Fruit-of-the-Loom-Pullis, und im Radio läuft DJ Bobo.

Gestern wurde ich gefragt, was mich an den Schreibtisch bringt, ob es Talent sei oder Kreativität oder Lust auf die Geschichte, aber Schreiben wird einfach wahnsinnig romantisiert. Was mich tatsächlich an den Schreibtisch bringt, ist Disziplin.