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SPD-Bundestagsfraktion: Ein Moment mit historischer Wucht – und Boris Pistorius erkennt ihn

submitted by MaggiWuerze to dach 19 points | 1 comments https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-10/spd-bundestagsfraktion-protest-antifaschismus-afd-sachsen-anhalt/komplettansichtArtikeltext SPD-Bundestagsfraktion: Ein Moment mit historischer Wucht – und Boris Pistorius erkennt ihn Robert Pausch 9 - 10 Minuten Es gibt in der Politik ja immer wieder diese Momente der Klarheit. Momente, in denen sich die Dinge sortieren. Und in denen man erkennen kann, wer begriffen hat, was die Stunde geschlagen hat – und wer nicht. Am Dienstag war ein solcher Moment. Am Mittag wurde in Magdeburg der erste Parlamentspräsident einer rechtsextremen Partei gewählt. Tobias Rausch, der AfD-Mann, erhielt dabei nicht nur die Stimmen von AfD und BSW, sondern – wie Recherchen der ZEIT nahelegen – vermutlich auch die Stimmen von Abgeordneten der CDU. Noch kurz zuvor hatte Fraktionschef Sven Schulze angekündigt, seine Fraktion werde sich geschlossen enthalten. Am Ende allerdings gab es im Landtag bei 14 anwesenden CDU-Abgeordneten nur fünf Enthaltungen. Und Rausch erhielt mit 48 Stimmen vier Stimmen mehr als BSW und AfD Abgeordnete zählen. Später wurde dann auch Hans-Thomas Tillschneider als Vizepräsident des Parlaments gewählt. Tillschneider ist der Chefideologe der völkischen AfD. Das BSW hatte angekündigt, ihn nicht zu wählen. Trotzdem erhielt er eine Mehrheit von 44 Stimmen, möglicherweise kamen auch hier die Unterstützer aus der Union. Die AfD hat selbst jedenfalls nur 39 Sitze. Viel sprach nach diesem Nachmittag dafür, dass abermals jene Kräfte, die sich selbst als bürgerlich bezeichnen, der radikalen Rechten in Deutschland zur Macht verholfen haben. In einem solchen Moment gibt es eine entscheidende Frage: Verfügt dieses Land über eine politische Elite, die die Lage erkennt? Die die Wucht des Moments auffängt, rhetorisch und symbolisch? Wer den Moment erkannt hat – und wer nicht Es gibt diese Leute, das konnte man gestern sehen, und über sie sollte man sprechen. Aber zuerst sollte man über jene sprechen, die den Moment verpasst haben, sei es aus ideologischer Verbortheit, sei es aus Opportunismus. Zu letzteren gehört zum Beispiel Serap Güler. Güler ist Staatsministerin im Auswärtigen Amt, sie war mal Integrationsstaatssekretärin in NRW und gilt als eine der liberalen Stimmen in der Union. Gestern formulierte sie wohl die bedrückendsten Worte zu dem, was in Sachsen-Anhalt geschah: Das Abstimmungsverhalten ihrer Parteifreunde in Sachsen-Anhalt erklärte sie zu einer Art politischen Notwehr. Grüne und SPD hätten mit den Koalitionsgesprächen in Berlin die CDU quasi dazu gezwungen, für die AfD zu stimmen. »Ihr Grünen seid seit der Wahl in Berlin dabei, diesen Mist zu befördern. Wenn’s für euch kein Problem ist, mit Extremisten gemeinsame Sache zu machen, dürft ihr euch über Entwicklungen wie heute nicht wundern«, schrieb sie. Bedrückend war Gülers Post, weil sich hierin die ganze Hilflosigkeit des liberalen Teils der CDU widerspiegelte. Ganz offenkundig hat man nicht mehr die Kraft und den Mut, das Verhalten der eigenen Leute zu kritisieren, sondern verlegt sich bloß noch darauf, es zu rechtfertigen. Man versucht, SPD und Grüne zu maßregeln, weil in der eigenen Partei ganz offenkundig niemand – wirklich niemand – mehr Autorität besitzt, um die eigenen Leute zu maßregeln, wenn es nötig wäre. Und ausgerechnet in der Partei, die so gerne von Eigenverantwortung redet, wenn es etwa um den Sozialstaat geht, lautet nun die Devise: »Die anderen sind schuld, dass wir so handeln!« Man kann als bürgerlicher Politiker die Linke verachten, man kann sie bekämpfen. Aber sich das Hufeisen so zurechtzubiegen, dass Elif Eralp am Ende irgendwie dasselbe ist wie Hans-Thomas Tillschneider, das ist nicht nur ignorant. Es ist ein Zeichen einer tiefen intellektuellen und moralischen Krise, in die sich die Christdemokratie hineinmanövriert hat. Es gibt allerdings auch Politiker, die den historischen Moment erkennen – und ihn ergreifen. Zu jenen gehörte zuallererst und überraschenderweise: Boris Pistorius. Wie der Stern berichtete, meldete sich Pistorius in der Fraktionssitzung der SPD zu Wort. Er zitierte den überlieferten Satz des Malers Max Liebermann aus dem Januar 1933: »Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.« Dann forderte er seine Fraktion auf, zum Bebelplatz, dem Ort der Bücherverbrennung, zu laufen, wo er sich schließlich auf eine Getränkekiste stellte und exakt die richtigen Worte für diesen Moment fand. Es sei kein Tag der Traurigkeit oder Betroffenheit, sondern ein »Tag der Wut«. Demokratische Kräfte hätten Rechtsextremen als Steigbügelhalter gedient. Sie hätten sich an der Demokratie versündigt. Nach diesem Einschnitt könne es keine Rückkehr zur Tagesordnung geben. Man kann das nun kitschig finden oder folkloristisch. Man kann auch oberschlau darauf hinweisen, dass die SPD doch mit der Union gemeinsam in der Regierung sitze. Oder ebenso oberschlau fragen, was denn nun daraus folge. Man kann, wie einige Bundestagsabgeordnete der Linken, höhnische Tweets schreiben. Man kann sagen, das sei »cringe«. Man kann sich darüber lustig machen, dass Pistorius am Ende die Nationalhymne anstimmte und die SPD-Fraktion mitsang. An dieser Stelle ist ein externer Inhalt eingebunden Zum Anschauen benötigen wir Ihre Zustimmung Kann man alles machen. Diese routiniert-höhnischen Reaktionen von links sind allerdings ebenso kleinkariert wie die Sätze von Serap Güler. Boris Pistorius hat in einer historischen Sekunde die richtigen Worte gefunden. Er hat mit einem republikanischen Pathos gesprochen. Er war der erste SPD-Politiker seit sehr, sehr langer Zeit, dem es gelang, Menschen bei ihrem Gefühl zu packen. Sie emotional anzusprechen und nicht bloß technokratisch. »Komm, wir gehen jetzt zum Bebelplatz« Große Politiker haben einen Sinn für den Moment. Sie können spontan sein, improvisieren. Sie können Menschen überraschen und gerade dadurch überzeugen. Ja, die Pistorius-Rede war bloße Symbolik. Aber was waren denn die Simson-Ausfahrten von Ulrich Siegmund? Was war überhaupt der ganze Alles-ist-möglich-Wahlkampf der AfD? Es war das Schüren von Hoffnungen, von Emotionen und Projektionen. Politik ist eben nicht bloßes »Problemlösen«, wie es oft heißt, sondern eben auch symbolische Kommunikation: die Hoffnungen und Ängste von Menschen erkennen und adressieren. Es gehört zu den großen Problemen der politischen Linken, dass sie diese sinnliche Dimension der Politik vergessen hat. Wer immer erst dann zu reden anfängt, wenn ein fertiger Fünf-Punkte-Plan in der Schublade liegt, der redet ganz sicher immer zu spät. Welches Szenario sich jetzt abzeichnen könnte Es ist noch zu früh, zu sagen, ob aus diesem Moment mehr wird als eine gute Rede auf der Getränkekiste. Aber durchdenken sollte man schon einmal, welches Szenario sich gerade abzeichnen könnte: In der CDU schreitet der Autoritätsverlust voran. Abgeordnete in Sachsen-Anhalt machen, was sie wollen. Fraktionsdisziplin ist ein Wort aus einer längst vergangenen Zeit. Ein hessischer Ministerpräsident bringt sich selbst als Merz-Ersatz ins Spiel und empfiehlt seiner Partei, die AfD nicht länger auszugrenzen. Es ist nicht ganz leicht zu sagen, wer schneller fällt: Friedrich Merz oder die Brandmauer? Es gehört nicht viel Fantasie dazu, um sich vorzustellen, dass in einer solchen Lage für eine Pistorius-SPD hier einiges zu gewinnen wäre. Klar, auch die SPD befindet sich in einer tiefen Krise, die programmatischen Fragen sind weitgehend ungeklärt. Aber die Kombination aus einem zentristisch-vernünftigen Politikangebot, glasklarem Antifaschismus und niedersächsischer Kernigkeit könnte schon genügen, um mittige Wähler in großer Stückzahl zur SPD zu bewegen. Keine sogenannte »Partei der Mitte« hat gerade ein überzeugendes Angebot und eine fesselnde programmatische Idee. Umso mehr kommt es auf Personen an. Auf Politiker, die situatives Geschick haben. Die einen historischen Moment erkennen und zur richtigen Zeit sagen: »Komm, wir gehen jetzt zum Bebelplatz«.

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Finland orders halt to work on two Google data centres

submitted by whaleross to europe 66 points | 4 comments https://www.bbc.com/news/articles/cvj6jkx6g1r0o Finnish authorities have ordered a halt to building work at two planned Google data centres amid concerns over the clearance of more than 300 hectares of forest. The sites form part of Google’s record €13bn (£11bn; $15bn) investment in Finland, announced less than a month ago and described by the company as its largest single investment in Europe. The Finnish Supervisory Agency (LVV) said work at one site was carried out without a mandatory environmental impact assessment and ordered measures that would “significantly alter the environment” to be suspended by 23 October. Google said it had “fallen short of our own high standards in this instance” and would follow the agency’s guidance. The orders relate to preparatory work carried out at the planned data centre sites in Muhos and Kajaani. According to LVV’s head of environment Tommi Muilu, work at the sites included the removal of trees and topsoil, the construction of site roads and storage areas, and changes to ditches. Tuike Finland, the company behind Google’s data centre projects, has been asked to provide an explanation and set out how it intends to proceed by 14 October. The agency said it could begin “enforcement proceedings” if the company failed to comply with its demand. Hanna Halmeenpaa, chair of the Finnish Association for Nature Conservation, had previously told the AFP news agency that “nature sites which should be preserved” had been felled. The conservation group had previously called for work to be halted while the environmental requirements were examined. In a statement to the BBC, Google said: “We understand the concerns and have fallen short of our own high standards in this instance.” It said it had “acted in good faith under the Forestry Act”, carried out nature surveys and put measures in place to protect areas of high environmental value. “As we continue our long-term work in the region, we are advancing our landscaping and biodiversity plans, which include tree planting across 130 hectares at Muhos,” the company added. Google announced last month that it would invest at least €13bn (£11bn; $15bn) in Finland over 2027 and 2028. Its plans included new data centres in Kajaani, Muhos and Vaala, alongside investment in its existing facility in Hamina. The company said the infrastructure would help it meet growing demand for services including Search, Maps and its AI assistant Gemini. Google said the construction phase in 2027 and 2028 would support more than 37,000 jobs and contribute an average of €3.6bn a year to Finland’s economy. As part of its expansion, Google also signed a 22-year power purchasing agreement with Finnish energy company Fortum covering up to half the capacity of the Loviisa nuclear power plant. Fortum said the agreement would help support the plant’s continued operation until 2050. Finland has attracted growing interest in data centres, with its cool climate and low-carbon electricity among the factors making it attractive to developers. Lower temperatures can also reduce the energy required to cool facilities filled with computer servers.

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Demographischer Wandel - Die Kinder verschwinden [in Schwellen- und Industrieländern]

submitted by DrunkenPirate to dach 10 points | 2 comments https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/mehr-wirtschaft/globaler-geburtensturz-warum-die-kinderzahlen-nahezu-ueberall-sinken-accg-201269969.html > Noch wächst die Weltbevölkerung weiter, weil Frauen aus geburtenstarken Jahrgängen das gebärfähige Alter erreichen und die Alten länger leben. Die Vereinten Nationen haben errechnet, dass die Weltbevölkerung ihren zahlenmäßigen Höhepunkt Mitte der 2080er-Jahre erreichen wird. Fernández-Villaverde geht davon aus, dass der Höhepunkt schon 30 Jahre früher kommen wird. > Die Entwicklung stellt eine klassische Erzählung auf den Kopf. Lange dachte man, dass reiche Gesellschaften und reiche Familien weniger Kinder haben, während arme Länder und arme Familien viele Kinder zur Welt bringen. Die neue Realität ist, dass der globale Rückgang der Geburtenraten sich vor allem auf Länder mit niedrigen und mittleren Einkommen sowie auf ärmere und weniger gebildete Frauen konzentriert. Die Konsequenz: Viele Länder werden alt, bevor sie reich geworden sind. Sie müssen dann alternde Gesellschaften finanzieren, ohne zuvor den Wohlstand, die leistungsfähigen Institutionen und die Steuerbasis Europas oder Japans aufgebaut zu haben. > Fernández-Villaverdes radikalste Erklärung lautet deshalb: Nicht einzelne Kosten machen moderne Gesellschaften kinderarm. Es ist die Moderne selbst: Ausbildung beanspruche die fruchtbarsten Jahre, Unterbrechungen für die Kindererziehung schadeten den Berufskarrieren, Arbeitsmärkte rissen Familien auseinander. Was Gesellschaften produktiver gemacht hat, macht Familiengründung schwieriger.

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1&1: Preiserhöhung innerhalb der Mindesvertragslaufzeit

submitted by LewdLemon to dach 20 points | 21 comments cross-posted from: sh.itjust.works/post/67978725 > Moin zusammen, > > wie womöglich manch anderer hier bin ich von der Preiserhöhung der 1&1 für Bestandskunden betroffen. Konkret: Ich habe einen Vertrag mit einer Mindestlaufzeit von 24 Monaten; ein paar Monate sind noch auf der Uhr, und mitten innerhalb dieser Zeit erklärt die 1&1 einseitig, ab kommendem Monat erhöhe sich mein Preis. Wenn ich das doof fände, hätte ich ein Sonderkündigungsrecht. > > Unabhängig davon, ob die AGB das zulassen (der oben verlinkte Medienbericht merkt Zweifel an, ob das alles so rechtens ist): Ich empfinde das als eine Frechheit. Ich mache eine Kostenkalkulation für 24 Monate und treffe basierend darauf eine Entscheidung, einen Vertrag abzuschließen oder nicht. Ein Anbieter kann nach meinem Dafürhalten nicht einfach binnen dieser 24 Monate unter Verweis auf _seine_ Kostenkalkulation einfach die Kosten erhöhen. > > Ich habe der 1&1 bereits eine scharf formulierte Mail geschickt (die ich, so gewünscht, auch hier teilen kann). Auch habe ich eine Kündigung vorgemerkt. Ich mache mir aber keine Illusionen, dass eine einzige Mail/Kündigung den Konzern von solchen Praktiken abbringen wird. Ich glaube aber auch, dass so ein Gebaren nicht unwidersprochen hingenommen werden darf, weil es sonst Schule macht. > > Meine Fragen an euch sind daher: > > * Seid ihr ebenfalls von der Preiserhöhung betroffen? > * Wie denkt ihr darüber? > * Für wie aussichtsreich haltet ihr es, sich zu organisieren und zumindest lautstark Widerspruch anzumelden, womöglich auch Konsequenzen daraus zu ziehen durch (Sonder-)Kündigung? >

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