Martin Gommel

@martingommel.bsky.social

Ich bin Reporter, weil ich es leid bin, dass psychisch Kranke belehrt, beschämt und bekrittelt werden.

Vor bald drei Jahren hatte ich eine Krise. Ich fühlte mich mental krank, als hätte ich eine Kopfgrippe. Kein Burnout, keine Depression – nur dieses neblige Vor-mich-Hinfunktionieren. Ständig überreizt, gleichzeitig dauernd müde. So will ich nicht leben, dachte ich.

Ich war nie schuld an meinen Depressionen, aber verantwortlich dafür, was ich dagegen unternahm. Die Schuldfrage hielt ich auf Dauer für mühsam, aber eine andere nicht: Was brauche ich jetzt?

Migräne wird oft als banaler Kopfschmerz verkannt. Dabei ist sie eines der komplexesten neurologischen Phänomene unserer Zeit. Das schreibt Bent Freiwald, der sich seit Jahren mit Abläufen im Gehirn beschäftigt. Was ich bis heute nicht wusste? 👇

A man sits with his hands covering his eyes, visibly in discomfort, against a dark background, conveying the struggle of migraine pain.

Wusstest du, wie sich das Gehirn von Menschen mit #Migräne von dem Gehirn von Gesunden unterscheidet? Ich bin seit September betroffen und lese gerade einen Text, bei dem ich mich zum ersten Mal (seit langem) verstanden fühle. Die für mich wichtigste Stelle? 👇

Vor ein paar Jahren verlor ich die Hoffnung, und mein Leben wurde auf einen Schlag besser. Klingt unlogisch. Aber Hoffnung ist Bullshit. Sie macht die Probleme, die eh schon bestehen, noch schlimmer. Ein Thread.

Stell dir vor, du brichst dir das Bein bei einem Radunfall, rufst die Sanitäter, und am Telefon sagt jemand: „Wir helfen gerne, in 26 Wochen. Sollen wir sie auf die Warteliste setzen?“ Solange wartet man laut taz auf einen #Psychotherapieplatz. taz.de/Psychothera...!6166100/

Psychotherapie: 26 Wochen durchschnittliche Wartezeit

Viele müssen in Deutschland monatelang auf eine Therapie warten, besonders Kinder und Jugendliche sind betroffen. Die Grünen fordern deshalb Reformen.

taz.de

Hoffnung kann zerstörerisch sein, wenn du chronisch krank bist. Jedes neue Medikament lässt dich denken: Jetzt wird es besser. Wenn es dann nicht besser wird, ist die Enttäuschung umso größer.

Ich habe Krankheiten, die in der Vorstellung bestimmter Männer Pipifax sind: Depressionen und chronische Migräne. Für die Tatsache, dass ich sie habe, werde ich nicht belächelt oder beschimpft. Aber dafür, dass ich offen darüber schreibe. (THREAD)

KI-Chatbots scheinen wie gemacht dafür, Rat in unübersichtlichen Lebenslagen zu geben. Schließlich können sie aus der Infoflut des unübersichtlichen Internets strukturierte Texte machen. Noch dazu können sie das Wissen in einem Dialog mit den Nutzer:innen verständlich vermitteln. 1/3 #Gesundheit

„Wer nie am eigenen Körper erfahren hat, wie das ist, morgens wach zu werden und eigentlich keine Kraft zu haben aufzustehen, die Zähne zu putzen oder zur Arbeit zu gehen, kann sich eine #Depression nur schwer vorstellen.“ – Psychotherapeutin Anke Glaßmeyer

Meine Sorge mit chronischer Migräne ist nicht der Schmerz. Sondern dieses glorreiche Gedankenspiel: Was ist, wenn ich in drei, sechs oder zwölf Monaten immer noch krank bin? Die Ungewissheit ist genauso grottig wie jede fucking Migräne-Attacke.

Drei knallvolle Krankenhäuser letzten Winter. Erste Klinik: „Neurologie? Haben wir nicht.“ Zweite Klinik: „Notaufnahme? Haben zu.“ Dritte: „Bitte warten. Haben keine Zeit.“ Ich: Habe Mordsmigräne.

Letztes Jahr saß ich beim Notarzt mit tagelanger Übelkeit. Er: „Achten Sie mal auf Stress.“ Ich: „Ich habe keinen! Schließlich bin ich seit Monaten krankgeschrieben.“ Er: „Das kann auch Stress sein.“ Ich verließ die Praxis verdutzt. Heute weiß ich: Er hatte recht.