Philipp Osten

@osten.bsky.social

Historian of medicine and science, Hamburg Medical History Museum Hamburg

Als er die verheerenden Nebenwirkungen des Schlafmittels Contergan entdeckte, war er Praktikant an der Kinderklinik des UKE. Auf der Suche nach einer Erklärung hatte er die Arzneischränke vieler Eltern durchsucht. Heute erfuhr ich: Im März ist Claus Knapp-Boetticher im Alter von 97 Jahren gestorben.

Claus Knapp: the pediatrician who stopped a tragedy [Eng-Esp] | PeakD

Claus Knapp: the thalidomide detective // Claus Knapp: el detective de la talidomida

peakd.com

Der Debatte um Gunther von Hagens verdankt die dt. Ärztekammer eine bis heute fortschrittliche Regelung zum Umgang mit Human Remains: Keine Ausstellung ohne Einwilligung des Ausgestellten, auch keine Forschung ohne ebendiese. Zur historischen Einordnung der von Hagensschen Inszenierung Robert Jütte

Doppelseite aus dem Band "Ein Kabinett kluger Köpfe", Mabuse Verlag 2005, mit den ersten beiden Seiten eines Aufsatzes von Robert Jütte rechts abgebildet Rembrandts Anatomie des Professor Tulp, links eine Autogrammkarte Gunther von Hagens.Zwei weitere Seiten des Textes von Robert Jütte

Anthea Hartig, Direktorin des Historischen Museums in Washington, wird beschuldigt, "radikale Aktivistin" zu sein, u.a. wegen der Genderthemen berührenden Ausstellung "Girlhood (It's complicated)". Jetzt stellt ihr die Triumph-Administration Warnschilder vor die Tür, auf Rat der Heritage Foundation.

Trump Orders Warnings Placed at ‘Inaccurate’ Smithsonian History Museum (Gift Article)

President Trump said the signage at the National Museum of American History would correct what a disputed White House report described as “extreme political activism.”

nytimes.com

Heute noch einmal knapp 50 Unterrichts-Filme aus der Vorkriegszeit mit Hilfe des 12yo getestet, glücklicherweise ist diesmal kein Nitrofilm dabei.

Viele zusammengeschmurgelte kleine Filmschnipsel, teils viragiert.
Philipp Osten@osten.bsky.social · 2y ago

Spannender Fund: ein etwa 100 Jahre alter Unterrichtsfilm der @uni-hamburg.de Ob das wohl noch Nitro-Film ist? Der fingernagelgroße Probe-Schnipsel ging unter eindrucksvollem Zischen in einer Stichflamme auf. Dank @schwarzlicht.bsky.social liegt die Bombe nun zum Digitalisieren beim NDR.

Filmrollen aus den 1920ern

Auf der Longlist für die besten Hamburg-Bücher 2026! Was für eine großartige Quellenarbeit! Barbara Uppenkamps Geschichte der HFBK in der NS-Zeit schildert Intrigen, Machtkämpfe und Verfolgung und leistet eine kunsthistorische Einordnung anhand vieler Einzelbiografien. Habe mich sofort festgelesen.

Die Hansesche Hochschule für bildende Künste. Gleichschaltung einer Hamburger Kulturinstitution. Von Barbara Uppenkamp, erschienen im Schaf Verlag, Hamburg 2026.

Im Seminar diskutieren wir Leihmutterschaft am Beispiel einer Sympathiefigur, Annie Leibovitz. Das macht es komplexer moralische Lanzen zu brechen. Spahn interessiert mich nicht. Möge seine Familie Glück haben. Mich interessiert viel mehr die Mutter, ihre ökonomische Lage, ihr Blick auf die Welt.

Presseagenturen melden: In den USA habe eine Patientin nach einer Polio-Infektion 70 Jahre lang ihre Eiserne Lunge genutzt. Sicher nicht 24h am Tag, aber regelmäßig und oft — zur Unterstützung gelähmter Atemmuskeln. Der Hintergrund: ohne Krankenversicherung sind moderne Hilfsmittel unerschwinglich.

Eiserne Lunge im Medizinhistorischen Museum Hamburg

Die neue Ausgabe der Zeitschrift Soziale Psychiatrie ist heute mit einem Artikel von Heinz-Peter Schmiedebach über die Psychiatriekritik um 1900 und einem Beitrag zum Buch "Lenins Tod, eine Sektion" erschienen.

Im Kampf um die öffentliche Meinung Psychiatrie-Kritik und Psychiatrie um 1900, Foto des Artikels.Im Kampf um die öffentliche Meinung Psychiatrie-Kritik und Psychiatrie um 1900, Foto des ArtikelsLenins Krankenakte, Totenkult mit Trauermarke und ein umstrittener Neurologe, Foto des Artikels aus der Sozialen Psychiatrie

Die "Bild"-Zeitung stellt einen Wissenschaftler an den Pranger. Was ging den Schriftleitern des Blattes wohl bei der Formulierung "Deutscher Professor" so alles durch den Kopf.

Screenshot einer Titelzeile der "Bild"-Zeitung: "Er ist Direktor am Max-Planck-Institut. Deutscher Professor ruft auf, AFD-Parteitag zu verhindern"

Seit heute heißt der Hörsaal der Eppendorfer Augenklinik nach Emma Schindler. Ihr Neffe Jeremy Shindler erinnerte an ein Leben voller Zuversicht. Vielen Dank für die guten, oft sehr bewegenden Reden.

Jeremy Shindler erinnert an "Tante Emma"Dekanin Blanche Schwappach-Pignataro mit Elias Glaesner, dem Vertreter der Medizinstudenten, der die Benennung vorgeschlagen hat.Rebecca Schwoch hat alles möglich gemacht, indem sie eine Biographie über Emma Schindler geschrieben hat.
Man liest es in einem Zug, so gut ist es geworden. Erschienen ist es bei Hentrich und Hentrich Das Grußwort der Hamburger Wissenschaftssenatorin 
Maryam Blumenthal

Arroganz habe ich nicht wahrgenommen, eher eine positive Begeisterung, die so gar nicht zu der massiven Geldnot passt. Ich bin froh, dass mein Senat so positiv gestimmt ist, aber doch erleichtert, dass nun Kapazität für drängende Sorgen ist. Plakat: Klaus Steack (SPD). www.zeit.de/hamburg/2026...

Plakat des Heidelberger Sozialdemokraten und Künstlers Klaus Steack: abgebildet ein Boxring davor die Schrift: Eim Volk das solche Boxer, Fußballer, Tennisspieler und Rennfahrr hat,  kann auf seine Uniwersitäten rund verzichten.

Emma Schindler hat lange dafür gekämpft als Frau Medizin studieren zu können. Sie wurde Hamburgs 1. Augenärztin + eine renommierte Forscherin. Deportiert nach Theresienstadt, leitete sie dort bis zu ihrer Ermordung die Augenpoliklinik. Am 4. Juni bennent das UKE den Hörsaal der Augenklinik nach ihr.

Sehr geehrte Damen und Herren, Programm die Medizinische Fakultät des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) lädt Sie sehr herzlich zur  feierlichen Benennung des Emma Schindler Hörsaals am Donnerstag, den 4. Juni 2026, um 16 Uhr ein. Die Augenärztin Dr. Emma Schindler (1883 – 1944) forschte  am UKE und praktizierte in Harvestehude. 1933 wurde ihr von den Nationalsozialisten die Kassenzulassung entzogen, 1938 die Approbation. Deportiert ins Ghetto Theresienstadt, setzte sie sich unter den mangelhaften Zuständen dort als Augenärztin für die Gesundheit der Insassen ein. In den 1920er Jahren war Emma Schindler lange Zeit die einzige Augenärztin in der Freien und Hansestadt  Hamburg. Mit der Benennung des Hörsaals feiern wir die bemerkenswerte Karriere einer Frau, die sich Hoch- schulzugangsberechtigung und Medizinstudium er- kämpfen musste. Wir erinnern zugleich an eine  Persönlichkeit, die als Jüdin verfolgt und in Auschwitz ermordet worden ist. Wir freuen uns auf Ihr Kommen, [Unterschrift] Prof. Dr. Blanche Schwappach-Pignataro Dekanin und Mitglied des Vorstands des UKEFoto der bei Hentrich und Hentrich erschienen Biographie Emma Schindlers. Verfasst hat das Buch die Medizinhistorikerin Rebecca Schwoch nach intensiven Recherchen.

"One is meant to conclude that the supposed Hebrew origins of the word mean that the hantavirus—a well-documented illness with outbreaks that go back several decades—is somehow a scam, perpetrated by either the Israeli government or some other undefined group of Jewish people. "

Antisemitic hantavirus conspiracy theories are spreading—and the platforms are hands off

False claims based on bad translation slip past policies targeting hate speech and medical misinformation.

motherjones.com

Die Karriere der Augenärztin Emma Schindler endete 1933 abrupt, weil sie Jüdin war. In Theresienstadt leitete sie die Augenklinik. 1944 wurde sie in Auschwitz ermordet. Nun hat Rebecca Schwoch ihr ein Buch gewidmet. Am 4.6. wird an ihrem Wirkort HH-Eppendorf ein Hörsaal nach Emma Schindler benannt.

Abbildung einer Seite aus dem Hamburger Ärzteblatt. Zu sehen ist Emma Schindler in einem Jugendstilkleid.

Der Text findet sich hier:

https://aerztekammer-hamburg.org/wp-content/uploads/2026/05/hamburger_aerzteblatt_05_2026.pdfAbbildung einer Seite aus dem Hamburger Ärzteblatt. Zu sehen ist das Cover des neuen Buchs von Rebecca Schwoch

Der Text des abgebildeten Artikels findet sich hier:

https://aerztekammer-hamburg.org/wp-content/uploads/2026/05/hamburger_aerzteblatt_05_2026.pdf

Aus gegebenen Anlass sei an die Legende vom traurigen Schicksal des Schiffes Melpomène erinnert, dessen Besatzung wegen der Cholera nicht von Bord gelassen wurde, um die Krankheit, von der man 1833 noch nicht wusste, dass sie sich über verseuchtes Trinkwasser ausbreitet, nicht an Land zu bringen.

Ein Arzt misst einem bleichen Schiffsjungen mit eingefallenem Gesicht den Puls. Weitere Cholerakranke leiden im Vordergrund. Eine Kanone lässt  erkennen, dass die Szene auf einer Fregatte spielt. Studie von Horace Vernet aus dem Jahr 1834, Öl auf Papier.

So sieht das Ende einer Demokratie aus. SPD Mitglieder quittieren ihre Beitragszahlungen Woche für Woche mit Klebemarken in ihren Mitgliedsbüchern. Hier zu sehen die Seiten für 1932/33. Schon im April 1933 waren die Parteistrukturen de facto zerstört. Das gesetzliche Verbot folgte im Juni 1933.

Rote und schwarze Klebemarken mit stilisiertem SPD Schriftzug auf einer doppelseite mit der vorgedruckten Überschrift "Beitragsquittung pro 19..." Handschriftlich wurden mit Bleistift die Jahreszahlen 32 und 33 eingefügt.
Eine Sondermarke rechts oben zeigt das Portrait des 1924 von Faschisten ermordeten italienischen Politikers Giacomo Matteotti.

Mit Emotionen gegen Gewalt mobilisieren in den 1980ern. Morgen, Mi. 6. Mai, 18h ist Ruth Pope (Forschungsstelle f. Zeitgeschichte) mit ihrem Vortrag über feministischen Aktivismus gegen sexualisierte Gewalt an Kindern bei uns im Hörsaal des Medizinhistorischen Museums uke.de/museum Eintritt frei!

Flugblätter der Uni Hamburg aus dem Bestand des medizinhistorischen Museums und das rote Frauenvorlesungsverzeichnis vom Sommersemester 1988