Kriegt eine Frau ein Kind, sinken ihre Karrierechancen und ihr Einkommen. Kriegt ein Mann ein Kind, steigt sein Einkommen und er gilt als besonders engagiert. Wie kann das sein?
Friederike Köhler
@shevolution3000.bsky.social
Ich zeige, was Gleichberechtigung in der Arbeitswelt wirklich braucht und was Arbeitspolitik besser machen muss. ✦ Gründerin von she:velopment
In Deutschland wird viel über längere Arbeitszeiten diskutiert. Dabei gilt: Mehr Arbeit bedeutet nicht mehr Produktivität. Im Gegenteil, bei gut umgesetzter Arbeitszeitreduzierung bleibt sie stabil oder steigt sogar. Die Frage ist nicht wie viel, sondern wie produktiv gearbeitet wird.
Island hat vor über zehn Jahren angefangen, die 4-Tage-Woche zu testen. Ergebnis: weniger Stress, mehr Zufriedenheit, gleiche oder bessere Produktivität und gerechtere Verteilung von Erwerbs- und Care-Arbeit. Vielleicht kein Zufall, dass Island zu den gleichberechtigtsten Ländern der Welt gehört.
In Deutschland heißt es „Rabenmutter", wenn eine Frau ihr Kind früh in die Kita gibt und wieder arbeitet. In Frankreich sagt man „Gluckenmama", wenn eine Frau zu lange zu Hause bleibt. Beide Länder verurteilen die Frauen, nicht das Problem: die schwierige Vereinbarkeit von Care- und Erwerbsarbeit.
Alleinerziehende Mütter sollen mehr arbeiten, sagt Friedrich Merz. Liebe Grüße ins Kanzleramt: Sie arbeiten schon häufiger Vollzeit als Mütter in Paarbeziehungen und sind trotzdem fast doppelt so oft armutsgefährdet. Nicht mehr Arbeit, sondern bessere Löhne, Unterhalt und Betreuung würden helfen.
Es gibt übrigens ein EU-Gesetz, das den Gender Pay Gap verkleinern und aktiv mehr Gleichberechtigung bringen würde: die Entgelttransparenzrichtlinie. Die Frist zur Umsetzung (7.6.2026) kannte die Regierung seit 3 Jahren und hat sie trotzdem verstreichen lassen.
Mehr Stunden arbeiten ist nicht gleich mehr Wohlstand. Und das ist nicht meine Meinung, das zeigt die Forschung zu Arbeitszeitreduzierung und Vier-Tage-Woche. Produktivität hängt auch an Führung, Motivation und Organisation, nicht nur an Stunden auf der Uhr.
Sich aus ideologischen Gründen gegen Arbeitszeitverkürzung zu stellen, obwohl sie oft mehr Output, weniger Krankenstand und mehr Motivation bringt, ist auch eine Entscheidung gegen Gleichberechtigung, Familien und Care-Verantwortliche. Screenshot via Instagram @michaelkretschmer