Unmögliches Ich fliehe in das Maul eines Grönlandwals. Ich fliehe in die Berge, die ich nie gesehen habe. Ich fliehe als Wolke in das bisschen Himmel über mir. Ich fliehe in den Fluss gleich neben mir. Ich fliehe wie ich fliehen kann. Ich flöhe am liebsten zu dir. T.Stahl 5.8.26 #Poesie
Thekla
@trudestahl.bsky.social
Lyrikerin • Links • Berlin • ⚒️ „Am Brunnengrund ein Himmel“ ©️trude.stahl
Bitte, fühlen Sie sich nicht beschwert durch mich. Ich flieh nur vor der Welt.
Verzeihen Sie bitte, mir ist ein klein wenig Lebenswille auf der Strecke abhanden gekommen. Irgendwo an der letzten Biegung hatte ich ihn noch. Neulich noch. Tatsächlich wurde es immer schwieriger hinter all dem sinnhaftes auszumachen. Weitermachen lautete die Devise, wer wusste schon noch wofür.
zukunft was also tun, schließlich konnte man sich nicht selbst aus dem körper steigen, sich etwa einen unbeschadeten überstreifen, genauso wenig sich in eine bessere zeit zu versetzen. hier war man. in diesem körper in dieser welt. zu dieser zeit. was also tun.
Wir hatten im Regen gestanden, wir hatten die Luft geatmet, wir hatten uns gegrüßt, wir waren weiter gegangen, wir waren stehen geblieben, wir hatten uns nochmal umgesehen, wir hatten uns angesehen, wir hatten uns selbst kaum mehr erkannt. Wir waren Waren geworden, falls wir je etwas anderes waren.
Überleben See wurde grauer Asphalt Rauch ein ewiges Suchen Rausch nur wilder Tanz Verbindung überbrückt Von der Traufe in den Regen gestellt. Eine andere Form von Glück. T. Stahl #Poesie
Das verkorkste Ich Schrammen und Risse Wunden hinter zu großen Narben darum kümmerte es sich fast liebevoll Nichts wollen alles fliehen Zu dünnhäutig für Außen innen hart im Nehmen man tat sein Möglichstes fast liebevoll und zäh Ich wurde zur Insel ganz ohne See T. Stahl 4.8.26 #Poesie
Die Korrekturen Alles was ich will kann ich im Gedicht sein was ich will wie ich will auch nichts sein auch alles. Ich möchte bitte, korrigierte Mutter. Manchmal schlug sie auch einfach nur. Je nachdem. Mutter war gütiger als die davor. Niemand hatte es leicht. T. Stahl 3.8.26 #Lyrik
Im Gegenteil Einen Scheiß müssen Gedichte. Sie bitten um nichts und sie wollen auch nichts. Schön müssen sie auch nicht sein im Gegenteil am liebsten auch nichts sein. Auch alles. T.Stahl 3.8.26 #Poesie
TOMOGRAPHIE Das Bild meines Schädels In Scheiben geschnitten Zeigt Nichts Als kleine Verkalkungen altersbedingt Die sturen Schmerzen kommen sagt der Arzt Vom Großen und Ganzen Ihre Angst ist Unbegründet. ©Kerstin Hensel Aus: Bahnhof verstehen. Geb. 29.5.1961 in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz)
Ansonsten erzählten wir von der Kunst beim Ertrinken nicht unterzugehen. Es grenzte an Poesie.
Ich höre dich, mit den Fischen singen und den Vögeln schwimmen. Verrückte Sache.
Alte Lieblingsplätze waren schon lange zu überfüllt, neue hatten sich finden lassen. Das Klappern aus umliegenden Küchen erinnerte daran, selbst auch etwas zu essen. Im Abseits musste es Möglichkeiten geben. Im Hof hörte irgendwer ‚Spiel mir das Lied vom Tod‘. Mir blieben offene Fragen.
Etwas zog, bereitete Unruhe, war nicht greifbar, aber da. Überlegungen, woanders auch keine Freunde haben zu können, klangen plausibel. Woanders blieb unbestimmte Natur.
Meine Loggia misst vier Meter Länge. Der Kieferknochen eines Grönlandwals misst sechs Meter. Ich stelle mir also vor, ich säße im offenen Maul eines noch nicht ausgewachsenen Grönlandwals, wir würden 200 Jahre alt zusammen.