Christa Dürscheid

@christaduerscheid.bsky.social

Linguistin

Um das Wort Öffis (oder ÖV oder ÖPNV) geht es jetzt nicht, sondern um das Gegurke. Ob alle verstehen, was damit gemeint ist? Dabei ist die Wortbildung ganz regulär: Man nehme das Verb gurken (das gibt es) und füge an den Verbstamm Ge- und -e hinzu (analog zu Gerede, Gelabere).

Auf dem Bild ist ein Wahlplakat mit folgendem Text zu sehen: Schluss mit dem Gegurke

Soll man die KI nutzen oder nicht? Soll man die KI-Nutzung zugeben oder nicht? Soll man seinen Kindern KI-generierte Gutenachtgeschichten vorlesen oder nicht? Fragen über Fragen. Und da passt das neue Wort „Botscham“ (oder KI-Scham?) sehr gut dazu.

Bild

Um Verhackertes und Jause geht es jetzt nicht, sondern um die Formulierung „Schweinefleisch 100 % geboren, aufgewachsen..“. Wird das Schwein (pig) also schon als Schweinefleisch (pork) geboren? Wer das liest, möchte sich nur noch vegetarisch ernähren (wenn man es nicht schon tut).

Auf dem Bild ist eine Wurstpackung zu sehen. Darauf steht der hier zitierte Text.

Wer das liest, fragt sich, warum hier das Pronomen „sich“ steht. Im öffentlichen Verkehr liest man das oft. Soll damit ausgeschlossen werden, dass der Hinweis falsch verstanden werden könnte (im Sinne von „etwas festhalten“, hier z. B. den Hund)?

Auf dem Bild sind zwei Hinweise zu sehen: zum einen der Text „Bitte sich festzuhalten“, zum anderen ein Piktogramm, auf dem ein Hund zu sehen ist, zusammen mit folgendem Text: Beißkorb und Leine.

Von der Plauderbank war hier schon die Rede. Jetzt geht es um das Mitfahrbankerl - auch eine praktische Einrichtung (wenn sie denn genutzt wird). Und wo steht dieses Bankerl? Durch den Dialekt lässt sich das ja ganz gut eingrenzen.

Bild

Man weiß ja, dass manche Wörter nach der Rechtschreibreform mit verdoppeltem Konsonantenbuchstaben geschrieben werden (z. B. Tipp, Stopp), aber bei Hektik ist das nicht der Fall. Warum also die Schreibweise „Hecktik (ck steht für kk)? Das erschließt sich erst auf den zweiten Blick.

Bild

Das Schild ist originell. Und es ist auf Bairisch verfasst. Interessant ist z.B. „wennst“. Diese Konjunktion wird hier wie ein Verb konjugiert. Die Verbendung -st steht als Platzhalter für das fehlende Pronomen du. Das erinnert an Sprachen wie Italienisch (eine Pro-Drop-Sprache).

Bild

Das Schild spricht für sich: In 300 m gibt es Bier (bzw. - allgemeiner gesagt - etwas zu trinken). Und wie nennt man das hier abgebildete Glas in den verschiedenen Regionen Deutschlands? Ist es ein Seidel, ein Humpen oder ein Bierkrug? Und passt dazu auch das Wort Maß?

Bild

An dieser Blumenkasse kann man „der Strauss“ mitnehmen. Zur Orthographie ist nichts anzumerken, die Doppel-s-Schreibung ist in der Schweiz und in Liechtenstein korrekt. Aber mit dem Kasus hapert es. Das Verb mitnehmen steht regulär mit einem Akkusativobjekt, nicht mit Nominativ.

Bild

Tübingen, Reutlingen, Esslingen - Freising, Erding, Ismaning. Wo diese Städte liegen, erkennt man schon an der Endung des Ortsnamens. Und wie ist es mit Orten auf -ikon und -um? Die Orte auf -um könnte man auf dieser Karte finden, die anderen wohl eher nicht.

Bild

Dass das Foto in Österreich aufgenommen wurde, erkennt man an Billa und Schranken. Zu Billa gibt es nicht viel anzumerken (Supermarktkette), Schranken ist interessant: der Schranken (A), die Schranke (D), die Barriere (CH) - drei länderspezifische Bezeichnungen für dieselbe Sache.

Bild

Am Ende eines Chats über typische KI-Schreibweisen schlägt die KI vor, wie man prompten sollte. Das bedeutet aber auch: Will man nicht für eine KI gehalten werden, sollte man diese Muster meiden. Führt das dazu, dass bestimmte Schreibweisen künftig stigmatisiert sind (da KI-verdächtig)?

Bild

Wie formuliert man die Anrede, wenn man mehreren guten Bekannten schreibt? Liebe Ute, liebe Ida, lieber Tim, liebe Susi, lieber Udo? Das ist umständlich. Doch ist „Liebe alle“ passend? Oder: „Ihr Lieben“? Oder „Hallo zusammen“? Auf jeden Fall nicht „Guten Tag“. Oder?

Bild

Dieser Artikel wurde wohl für die „Saure-Gurken-Zeit“ geschrieben. Denn heute noch über Emojis zu schreiben, ist schon fast langweilig. Man könnte nur noch darauf hinweisen, dass Smileys und Emojis nicht dasselbe sind. Aber wir schreiben ja nicht für die „Saure-Gurken-Zeit“ 😀

Bild

Peperoni oder Paprika? Topf oder Pfanne? Anders als bei Quark und Topfen sind das nicht zwei verschiedene Bezeichnungen für dieselbe Sache. Vielmehr verbindet man damit verschiedene Bedeutungen. Was in der Schweiz eine Peperoni ist, ist in Deutschland und Österreich eine Paprika.

Bild

Wer in Deutschland wohnt, weiß es möglicherweise trotzdem nicht: <oe> in Soest stellt nicht die alternative Schreibweise des Umlauts dar, <e> ist ein Dehnungs-e (so auch in Coesfeld und Itzehoe). Und das Dehnungs-i kennt man in deutschen Städtenamen auch: Troisdorf, Grevenbroich.

Bild

Dass es sich hier um Bairisch handelt, ist leicht zu erkennen. Doch würde man ohne die Übersetzungen auch alle Vokabeln auf dieser Liste verstehen? Um von griabig auf gemütlich zu kommen, ist es auf jeden Fall ein weiter Weg.

Bild

Hydration Break, Pausa de hidratación, Trinkpause, Pause d'hydratation. Derzeit ist viel von Trinkpausen die Rede - und das in verschiedenen Sprachen. Doch nur im Deutschen ist es ein Wort (ein Kompositum). In allen anderen Sprachen handelt es sich um Mehrwortgefüge. @BVG_Kampagne

Bild

Eine Konstruktion, die man derzeit oft hört, ist „Da bin ich leidenschaftslos“. Es ist regulär gebildet, analog zu ahnungslos, mutlos oder chancenlos (Substantiv+Fuge+-los). Was will man damit sagen? Ist das nicht ein großes Wort, um auszudrücken, dass man keine Präferenz hat?

Bild