Johannes Franzen

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Literatur- und Kulturwissenschaft, u.a. FAZ, taz, Zeit Online und Merkur. Redaktion 54books. Newsletter: kulturundkontroverse859.substack.com/ https://linktr.ee/johannesfranzen

Schlimmer geht immer: In der FAZ darf sich der sog. „Plagiatsjäger“ rühmen (!), mit seinem Gutachten „maßgeblich zum Scheitern der Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf vergangenen Sommer zur Bundesverfassungsrichterin beigetragen zu haben.“ Die rechtsorchestrierte Kampagne ist hier 1 „Geniestreich“.

Weber ist überzeugt, mit seinem Plagiatsgutachten maßgeblich zum Scheitern der Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf vergangenen Sommer zur Bundesverfassungsrichterin beigetragen zu haben. Kurz, bevor die Entscheidung ansteht, verschickt Weber sein Gutachten an mehrere Medien. Am Tag der geplanten Richterwahl titelt die „Bild“: „Wird SIE heute Verfassungsrichterin? CDU wirft SPD-Frau Schummelei bei Doktorarbeit vor.“ „Zufall“, sagt Weber. Es habe keine Absprache mit der „Bild“ gegeben. Aber entstünden Geniestreiche nicht immer aus Zufällen? „Die offizielle Version ist natürlich eine andere: Die CDU/CSU sei von ihrer liberalen Haltung zum Schwangerschaftsabbruch abgeschreckt.“
Andrea Geier / Bademeisterin der Debattenkultur@andreageier.bsky.social · 6d ago

Wie bedauerlich, dass das nicht selbstverständlich ist: Wenn berichtet wird, dass kein Plagiat in der Dissertation von Frauke Brosius-Gersdorf gefunden wurde, müsste immer auch gesagt werden, dass diese Prüfung durch eine politisch motivierte Kampagne nötig wurde.

Deutschland, 2026: Ein paar der Kommentare zu einem Post der Zeit auf Facebook zu den Ereignissen in Ceuta. Die Zeit hält es offenbar nicht für nötig, die Kommentare zu moderieren.

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Im Konflikt um den Mangel oder Exzess an Öffentlichkeit der Geisteswissenschaften wird oft der Kampfbegriff des "Aktivismus" verwendet, der dazu dient, die Autonomie der Wissenschaft gegen politische Begehrlichkeiten zu verteidigen. Dieser Vorwurf hat eine lange Geschichte.

Wissenschaft als Beruf steht im Kontext des „Werturteilsstreites“, der bisheute die Debatte um angemessene und unangemessene Formen der wissen-schaftlichen Resonanz bestimmt.29 Es handelt sich um einen grundsätzlichenKonflikt, der in der Gegenwart etwa im Kampfbegriff des „Aktivisten“ eine Ent-sprechung findet – eine Figur, die als Schreckgespenst einer Forscherpersön-lichkeit aufgebaut wird, die statt objektiver Wissenschaft progressive Politikbetreiben möchte – ein Echo des zu Webers Zeiten kursierenden Schimpf-wortes vom ‚Kathedersozialisten‘. Weber wird in diesem Zusammenhangimmer wieder als Kronzeuge genannt. Etwa in einem Artikel in der Zeit von2024, in dem der Autor beklagt, ein Glaube an den Aktivismus, der die Welt ver-bessern könne, gefährde den Ruf der Wissenschaft. Dagegen möchte der Autorals Alternative „eine altmodische Idee von Max Weber“ ins Spiel bringen: „Sieheißt: Werturteilsfreiheit.“30 Ganz ähnlich brachte auch die Rezension einerNeuausgabe von Webers Wissenschaft als Beruf in der Neuen Zürcher ZeitungWebers Wertungsaskese gegen eine angebliche Tendenz der zeitgenössischenWissenschaft, sich als ‚Heilsbringer‘ zu inszenieren, in Stellung: „Was würdeMax Weber dazu sagen, dass Neurowissenschafter, Volkswirtschafter oder derGender-Theoretiker meinen, ihre Forschung sei eine Etappe auf dem Weg zueiner definitiv ‚guten‘ Gesellschaftsordnung?“31
Johannes Franzen@johannesfranzen.bsky.social · 9mo ago

Die Geisteswissenschaften und die Öffentlichkeit – Szenen einer Legitimationskrise Mein Aufsatz über die Forderung, Geisteswissenschaften sollten öffentlicher sein oder sich verweigern, und über die Angst, Richard David Precht zu werden, ist erschienen (open access). brill.com/edcollchap-o...

Die Geisteswissenschaften und die Öffentlichkeit –
Szenen einer Legitimationskrise
Johannes Franzen
1 Katastrophenmeldungen
Die populistischen Angriffe auf die Wissenschaft in der Gegenwart haben die
Überzeugungskraft wissenschaftlicher Erkenntnisse nicht nur geschwächt,
sondern auch zu einem Legitimationsschub beigetragen. Im April 2017 etwa
demonstrierten zehntausende Menschen weltweit in einem ‚March for Science‘
gegen die Aushöhlung wissenschaftlicher Autorität, die vor allem mit
Donald Trump, dem seit 2016 amtierenden Präsidenten der USA, assoziiert
wurde. Trump gehörte nicht nur zu den prominentesten Leugnern des Klimawandels,
sondern stand auch stellvertretend für eine Politik, die im Sinne
‚alternativer Fakten‘ oder eines ‚postfaktischen Zeitalters‘ eine rationale,