Juliane Eckstein

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Theologin, Alttestamentlerin, Übersetzerin weder konservativ noch liberal oder liberal und konservativ – je nach Thema in jedem Fall: christlich und nachdenklich

Ich komme immer noch nicht über den Katholisch-Theologischen Fakultätentag hinweg, auf dem wir über die Relevanz der Theologie debattierten. Eine einzige Apologie für Theologie an den staatlichen Universitäten. Die Positionen waren gut begründet (Extremismusprävention usw.), und doch:

Paulus zu Philemon so: Ich will dich zu nichts zwingen. Du bist völlig frei. Aber ich würde dich doch inständig bitten, deinem Sklaven Onesimus den Ehrenplatz an deinem Tisch zu geben. Wie gesagt, du bist völlig frei. Übrigens, so bald ich kann, schaue ich bei dir vorbei ... Paulus

Evangelische Studentin erklärt niedrige Studienzahlen in evangelischer Theologie so: Wer soll es studieren? Weihnachtschristen haben kein Interesse --> zu wenig gesellschaftliches Prestige. Regelmäßig praktizierende, gläubige Christen fürchten, dass sie durch das Studium vom Glauben abfallen.

Gestandene Lehrkräfte beginnen eine Zusatzqualifikation für das Fach Religion. Eine Begründung: "Ich bin Klassenlehrerin, und ich brauche einen Ort, wo ich mit den Schülern über existenzielle Fragen ins Gespräch kommen kann."

Lara Westermeyer übersetzt die Psalmenüberschrift לדוד als "dem David", und ich werde das ab sofort übernehmen. Damit ist man nicht gezwungen, den Psalter in einer männlichen Perspektive zu lesen, aber die Davidsfigur wird trotzdem als mögliches Interpretament stehen gelassen.

Treffen sich drei Theologen: Exeget: Ich hab da einen Satz in der Fakultätsordnung gelesen, der ist wahrscheinlich später eingefügt worden. Pastoraltheologe: Exegeten sind die einzigen, die so was wie eine Fakultätsordnung wirklich lesen. Fundamentaltheologe: Welche Fakultätsordnung?

Sowas... Ich habe eine hoffnungslos überfüllte Lehrveranstaltung, und bekomme Mails von Studierenden, ob sie nicht doch noch irgendwie rein könnten... Das habe ich zuletzt als Studentin in der Anglistik der 00er-Jahre erlebt. 😶 Pädagogische Hochschule Freiburg rules...

Konnte die Lehrplanentwürfe zum Christlichen Religionsunterricht in Niedersachsen nur kurz überfliegen. Vorläufiges Fazit: 1. Sie sind sehr klar, übersichtlich und verständlich aufgearbeitet. 2. Sie entsprechend dem State of the Art des konfessionell gebundenen Religionsunterrichts.

Korrigiere gerade die Klausuren meines Seminars über Synodalität. Was mir auffällt: Kirche ist die dunkle Hintergrundfolie, vor der die säkulare Gesellschaft umso heller strahlt. Keinerlei Kritik an unfähiger Politik, dysfunktionaler Demokratie oder gespaltener Gesellschaft.

In Jes 42,16 heilt Gott die Sehbeeinträchtigte nicht, sondern er macht ihre Wege barrierefrei: Ich führe Blinde auf Wegen,  die sie nicht kennen.  [...] Dunkle Flecken mache ich vor ihnen zu Licht,  und holpriges Gelände verwandle ich in eine Ebene.

Ich führe im Dekalog-Seminar in die Raumanalyse ein, und der Student fragt, ob man auch den Schabbat als sozialen Raum verstehen könnte. Mir geht ein💡auf, und die Studierenden debattieren lebhaft über die Bedeutung des Schabbats und über das eigene Verständnis von der Sonntagsruhe. Ich lieb's.

Diverse theologische und religionswissenschaftliche Zeitschriften sind seit kurzem mit allen Beiträgen vollständig im Index Theologicus verzeichnet. Viele Artikel sind in #OpenAccess verfügbar. Der folgende Thread gibt einen Überblick:

Schreibe gerade einen Artikel darüber, dass der Mindeststandard einer biblischen Ethik darin besteht, Migranten nicht auszunutzen. Einschlägig ist beispielsweise Lev 19,33: "Wenn bei dir ein Fremder in eurem Land lebt, sollt ihr ihn nicht unterdrücken." (ähnlich Ex 22,20; 23,9).

das nd@nd-aktuell.de · 10mo ago

In EU-Landwirtschaftsbetrieben gibt es zum Teil eine Art moderner Sklaverei. Dennoch fließen trotz einer »sozialen Konditionalität« Subventionen sogar an verurteilte Ausbeuter.