Stefan Etgeton

@stefanetgeton.bsky.social

"impossibilitas coincidet cum necessitate" (Cusanus) Fällt "Unmöglichkeit mit Notwendigkeit in eins", bleibt nur, sich im Wechselspiel der Widersprüche der ersehnten Koinzidenz von Gegensätzlichem zu nähern.

Ohne Rudolf #Bultmann, der heute vor 50 Jahren starb, & seine Schüler:innen hätte ich kaum Theologie studiert. Der DLF erinnert heute daran, dass er sich im NS vorbehaltlos für Jüdinnen & Juden eingesetzt hat. Zugleich ist seine Theologie auch geprägt durch eine strukturelle Abwertung des Judentums.

Zitat von Ruldf Bultmann aus dem Aufsatz "Weissagung un erfüllung" von 1949: "Inwiefern ist nun die alttestamentlich-jü­dische Ge­schichte Weissagung, die in der Ge­schichte der neutestamentli­chen Ge­meinde erfüllt ist? Sie ist es in ihrem in­neren Widerspruch, in ihrem Schei­tern." Etwas später heißt es weiter: "Das wahre Got­tesvolk ist die Ekklesia … Man gelangt in sie nicht durch Geburt und Volkszugehörig­keit, sondern getroff­en durch den Ruf des Evangeli­ums, herausgerufen aus der Welt und gehei­ligt durch die Taufe, die den Getauft­en in Christus als den ‚Leib‘ der Ekkle­sia hinein­fügt." Und eine Seite später liest man: "„Was der Glaube als Heilsweg bedeutet, versteht nur der ganz, der den fal­schen Heilsweg des Gesetzes kennt. … Ebenso bedarf der Glaube des Rück­blicks in die alttestamentliche Geschichte als eine Geschichte des Scheiterns und damit der Verheißung, um zu wissen, dass sich die Situation des Gerecht­fertigten nur auf dem Grunde des Scheiterns erhebt. Wie der Glaube den Ge­setzesweg als überwunden ständig in sich enthält, um wirklich Rechtferti­gungsglaube zu sein, so enthält er ebenfalls auch jenen Versuch der Identifikati­on weltlichen und eschatologischen Geschehens ständig als überwunden in sich, um es­chatologische Haltung zu sein.“

Nachdem die Krokodilstränen über den Angriff auf den Berliner CSD weggewischt wurden, sitzt das ideologische Krönchen wieder fest & die Feindbilder sind adjustiert: Merz = 🏳️‍🌈 = Marxismus, so lautet die absurde Gleichung. Die vorgetäuschte taktische Empathie vom Sonntag hielt nicht einmal 48 Stunden.

Im Bild ist ein Post von Julian Reichelt zu sehen, der ein Bild von Kanzler Merz verbreitet, der vor einem mit der progessiven Regenbogenflagge geschückten Altar steht, verbunden mit dem Kommentar: "Ein christlicher Bundeskanzler, der noch Herr seiner Worte, seiner Kommunikation und seiner Positionierung ist, hätte niemals vor einem ideologisch beflaggten Altar gesprochen. Ea ist der neue Marxismus. Friedrich Merz versteht das nicht mehr. Er ist der falsche Mann in der falschen Zeit."

Der brutale Angriff auf den #CSD in Berlin ist markerschütternd; er zeigt, wie verletzlich die Community weiterhin ist. #b2507 Das unverhohlene Triumphgeheul der homophoben Rechtsausleger darüber, dass diese furchtbare Tat das eigene Feindbild bestätigt, ist hingegen nur noch brechreizerregend.

Bild
rbb|24@rbb24.de · 2w ago

Der nach dem mutmaßlichen Anschlag am Rande des Christopher Street Days in Berlin von der Polizei gesuchte 21-jährige Abdul B. wird der islamistischen Szene zugerechnet. Das bestätigte der ARD-Terrorismusexperte Holger Schmidt am Morgen. +++ Die Entwicklungen im rbb24-Liveticker +++

Zur Causa Spahn ist alles gesagt - aber noch nicht von allen. In meinem Text geht (auch) um die Frage, ob der Wunsch nach einem "eigenen" Kind alle Mittel rechtfertigt. Spahn ist kein Opfer seiner Doppelmoral, sondern sich widerstreitender konservativer Werte & eines überkommenen Familienbildes.

queer.de@queerde.bsky.social · 2w ago

Der Rücktritt von Jens Spahn wird oft als Sieg über die Doppelmoral gelesen. Der eigentliche Konflikt liegt jedoch zwischen zwei konservativen Idealen: dem Wunsch nach einem genetisch eigenen Kind und dem Schutzanspruch der Gebärenden

Dass allein die Eröffnung der Möglichkeit eines Dazwischen und Außerhalb zur Dualität der Geschlechter bereits als Entwertung, ja Existenzgefährdung von Ehe und Familie im herkömmlichen Sinn empfunden wird, beweist ungewollt, wie brüchig der Geltungsanspruch des althergebrachten Modells längst ist.

queer.de@queerde.bsky.social · 4w ago

Als Teil ihres "100-Tage-Sofortprogramms" will die AfD Sachsen-Anhalt die Regenbogenfahne an Schulen verbieten. Diese stehe für die "Entwertung der Familie und der traditierten gesellschaftlichen Normalität"

Die AfD im Bundestag verfolgt in der Corona-Enquete bei der Diskussion um Wirtschaftshilfen ihre Anti-EU-Strategie & unterstellt, südeuropäische Länder hätten 🇪🇺-Coronahilfen missbräuchlich erhalten. Insinuiert wird, diese Länder hätten ihre Todeszahlen manipuliert, um an höhre Hilfen zu gelangen.

Wenn das eigene politische Narrativ die Tatsachenberichterstattung steuert, hat das oft mit Journalismus nichts mehr zu tun. Die ideologische Drahtbürste striegelt die Widersprüche in den Fakten solange glatt, bis das, was übrig bleibt, in die vorgefertigte Legende passt. Ein Muster der Propaganda.

Der Volksverpetzer@volksverpetzer.de · last mo.

Julia Ruhs reißt bei BILD die Bruttoabwanderungszahl deutscher Staatsbürger aus dem Kontext und fantasiert daraus gleich den Untergang unseres Landes. Wie sie mit einem faktenarmen Geraune rechten Narrativen Vorschub leistet - von @patrickgensing.bsky.social. volksverpetzer.de/faktencheck/...

Ein Sieg der AfD bei der Wahl in Sachsen-Anhalt ist keineswegs ausgemacht, sondern durch kluge Gegenstrategien abwendbar. Vorallem sollten die Parteien des Grundgesetzes ihre Kernkompetenzen (CDU: Wirtschaft, Linke/SPD: Soziales, Grüne: Ökologie) hervorkehren, anstatt die Rechtsausleger zu kopieren.

Blätter für deutsche und internationale Politik@blaetter.bsky.social · last mo.

Der Höhenflug der AfD in Sachsen-Anhalt ist bisher ungebrochen. Doch obwohl die Ausgangslage für die AfD kaum günstiger sein könnte, sprechen einige Faktoren weiterhin gegen einen klaren Durchmarsch: www.blaetter.de/ausgabe/2026...

Hass wurzelt in der Intoleranz gegenüber jeglicher Ambiguität. Eine Partei, die im Herbst die Regierung in Sachsen-Anhalt übernehmen will & in ihrer Programmatik eines imaginären Erzwidersachers (🏳️‍🌈-Imperium) bedarf, um ihre völkische Identitätspolitik zu legitimieren, darf nicht verharmlost werden!

Blätter für deutsche und internationale Politik@blaetter.bsky.social · last mo.

Vor der Wahl in Sachsen-Anhalt hat sich @stefanetgeton.bsky.social das Programm der Rechtsradikalen vorgenommen. Die Partei bewegt sich darin zwischen Germano-Putinismus und Nationalmasochismus: www.blaetter.de/ausgabe/2026...

3 Millionen Datenpunkte untersucht.  2.500 Belege gefunden.  13 Monate geprüft.  1 Ergebnis. Die AfD ist verfassungswidrig. Ein zulässiger Verbotsantrag beim Bundesverfassungsgericht hätte wahrscheinlich Erfolg. Das ist das Ergebnis unseres heute veröffentlichten Gutachtens. 🧵

Bild: Alice Weidel, Björn Höcke, Stephan Brandner, Hans-Christoph Berndt, Katrin Ebner-Steiner, Lena Kotré, Beatrix von Storch. Text: Nachweislich verfassungswidrig – Unser AfD-Gutachten belegt: Ein Verbotsverfahren gegen die Partei wäre wahrscheinlich erfolgreich.

Wie bürgerliche Leitmedien dem neuen Faschismus die Aura der Unausweichlichkeit verleihen und dafür die Demokraten verantwortlich machen. Merkt ihr gar nicht, dass ihr selbst Teil des Problems seid?!

Bild

2017 löste die 180°-Rede von Björn #Höcke bundesweit Empörung aus & manövrierte ihn an den Rand eines Parteiausschlusses. Im aktuellen Gespräch mit Weltwoche-Chef Roger Köppel spricht er Tacheles & breitet neben gediegener Halbbildung seinen notorischen Geschichtsrevisionismus offen aus. 1/3

Bild

Der Arbeitskräftemangel in 🇩🇪 verschärft sich. "Eine Ursache ist die restriktivere Migrationspolitik der Bundesregierung." Die Migrationswende hat also nicht nur Affekte, sondern auch Effekte. Politik auf Basis von Ressentiments schadet den eigenen Interessen. www.deutschlandfunk.de/arbeitskraef...

Medienbericht - Arbeitskräftemangel in Deutschland verschärft sich laut IW-Studie

Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft rechnet in den nächsten Jahren mit einem stärkeren Rückgang des Arbeitskräfteangebots in Deutschland als bislang angenommen.

deutschlandfunk.de

Der #Höcke hat nicht nur Westdeutsche zu Kulturamerikanern gemacht. Viel bestürzender ist das Geschichtsbild des ehemaligen Lehrers: sein Revisionismus, die perfide Schuldabwehr & die Täter-Opfer-Umkehr. Höckes "erinnerungspolitische Wende" kreist in Wahrheit um ein schwarzes Loch der Verleugnung.

Bild

Zuerst zerbricht Schwarz-Rot den ordnungspolitischen Rahmen der Wärmewende; danach wird - wenn absehbar die Heizkosten durch die Decke schießen - das marktwirtschaftliche Instrument des Emissionshandels in Frage gestellt & sukzessive ausgehebelt werden. Das ist Rückabwicklung der Dekarbonisierung.

Miriam Vollmer@miriamvollmer.bsky.social · 2mo ago

Der Umweltausschuss des Bundesrates ist von der Neufassung des Gebäude-Energiegesetzes #Heizungsgesetz nicht überzeugt.

Angeichts der verheerenden Bilanz & der dürftigen Reichweite von NUIS könnte man fast daran glauben, dass doch Vernunft in der Geschichte sei. Hegel zum Trotz: Wirkung erzielt NUIS-Propaganda nicht primär aus sich heraus, sondern indem sie von anderen Medien oder Politiker:innen aufgegriffen wird.

Edelweiss Netzwerk@edelweissnetzwerk.de · 3mo ago

Das rechte Kampagnenportal NIUS nannte sich "Stimme der Mehrheit", bis selbst ihnen klar wurde, dass dieser Claim angesichts der miserablen Zahlen nicht mehr haltbar ist. Ein 🧵 über die miserablen Zahlen von Julian Reichelts NIUS www.t-online.de/nachrichten/...

In seiner klugen Kolumne kritisert @jcwagner.bsky.social‬ den in 🇩🇪 verbreiteten "Bewältigungsstolz", der oft mit einer schiefen Opferidentifikation einhergehe, während die weiter bestehenden Gründe für Ausgrenzung, Abwertung & Auslöschung dabei zunehmend aus dem Blick geraten. Kein Grund für Stolz.

Jens-Christian Wagner@jcwagner.bsky.social · 3mo ago

Bewältigungsstolz und entlastend wirkende Identifikation mit den Opfern statt Auseinandersetzung mit den Täter:innen: Was schieft läuft in der aktuellen #Erinnerungskultur, habe ich in der NOZ vom 9.5.2026 geschrieben:

Text des Beitrags in der NOZ vom 9.5.2026 (gekürzt):
"Mit dem Mord an sechs Millionen Jüdinnen und Juden, an Sinti und Roma, an Kranken, an sowjetische Kriegsgefangenen, an politischen Gegnerinnen und Gegnern sowie Menschen, die als „Asoziale“, „Berufsverbrecher“ oder Homosexuelle verfolgt wurden, begingen Deutsche in der Zeit des Nationalsozialismus präzedenzlose Verbrechen – wahrlich kein Grund, stolz auf die deutsche Geschichte zu sein. Doch zugleich macht sich in Deutschland immer mehr Bewältigungsstolz breit, man präsentiert sich als Erinnerungsweltmeister. [...]
Doch bei kritischen Beobachtern macht sich ein Unbehagen an der viel gerühmten deutschen Erinnerungskultur breit, ein Unbehagen, das sich nicht nur aus Kritik an ritualisierten Beschwörungsformeln („Nie wieder!“) sowie Kitsch und Pathos im politischen und gesellschaftlichen Diskurs speist, sondern auch aus dem Umstand, dass sie Züge einer Entlastungserzählung trägt: Statt sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie es zu den Verbrechen kommen konnte und wer sie mit welcher Motivation begangen hat, beschränkt sich das „Erinnern“ auf ein Trauern ohne Nachzudenken und auf die Identifikation mit den Opfern – eine Anmaßung, wenn man bedenkt, dass sich die Post-Tätergesellschaft gewissermaßen in die Opfererzählung einschreibt. [...]
Wer etwas aus der Geschichte lernen möchte, muss fragen, warum die Menschen zu Opfern wurden, wer sie zu Opfern machte. Und das heißt, danach zu fragen, die die NS-Gesellschaft, die radikal rassistisch und antisemitisch formiert war, eigentlich funktionierte – und welche Wirkung Verheißungen der Ungleichheit, Kriminalisierungsdiskurse gegenüber Ausgegrenzten und Ideologien der Ungleichwertigkeit heute noch oder wieder haben: Es geht um eine nicht abgeschlossene Geschichte. [...]