Erik Reger

@erikreger.bsky.social

Autor "Union der festen Hand" 1931 und Gründer Tagesspiegel 1945, Ruhrgebiet und Berlin. Hier vor allem Posts #Tagesspiegel80 #OTD aus den Nachkriegsausgaben 1945/46. Mehr historische Artikel: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/themen/erik-reger

Bemerkenswert auch, dass der kommende deutsche Staat "von seinen Befugnissen so viel wie möglich zugunsten einer höheren internationalen Ordnung abgeben müsse", Kurt Schumacher 1946.

Erik Reger@erikreger.bsky.social · 4d ago

"Durch eine Vielzahl von Parlamenten würde das Interesse der Bevölkerung an der parlamentarischen Demokratie abgestumpft werden." Kurt Schumacher, @tagesspiegel.de #OTD 1946. Die Debatte um kommende Bundesländer ist bald Thema der Serie #Tagesspiegel80, dann hier: www.tagesspiegel.de/gesellschaft...

Die Neugliederung Deutschlands
(...)
Dr. Kurt Schumacher, der gegenwärtig den Vorsitz im Zonenbeirat der britischen Zone führt, äußert sich in der Hamburger Zeitung „Die Welt" zur Neugliederung der britischen Zone. Die Schaffung des Lands Nordrhein-Westfalen, so erklärt Dr. Schumacher, müsse weitreichende Folgen haben, da es für Deutschland viel zu groß sei und mehr als die Hälfte der Einwohner der britischen Zone umfasse. Wenn man den Rest der Zone in zwei oder mehr Länder zerteile, wären diese politisch und ökonomisch geradezu sinnlos gegenüber dieser konzentrierten Übermacht, die außerdem das Monopol auf sämtliche industriellen Rohstoffe und Naturschätze habe. Dr. Schumacher spricht sich aus diesem Grunde dafür aus, das gesamte Gebiet außerhalb von Nordrhein-Westfalen zu einem einzigen Land zusammenzufassen, das zwar territorial größer, aber an Einwohnern noch beträchtlich schwächer sein würde. Durch diese Zweiteilung werde infolge der Größe der Länder eine neue Situation für die Abgrenzung der Verwaltungen und Kompetenzen entstehen; mit den drei Stufen von Gemeinde, Kreis und Land könne man sich dann nicht mehr begnügen, denn die Länder seien zu groß, um ohne eine Zwischeninstanz auszukommen.
Die SPD werde ihren Kampf um ein einheitliches Gesamtdeutschland, der durch die Gliederung in verhältnismäßig wenige große Länder allerdings erschwert werde, nicht aufgeben, erklärt Dr. Schumacher weiter. Es könne eine Anzahl von „Kleinpreußen" entstehen, was jedoch immer noch besser wäre, als wenn einzelne übergroße Länder einer Reihe von zu kleinen und in sich unorganischen Ländern gegenüberständen. Durch eine Vielzahl von Parlamenten würde das Interesse der Bevölkerung an der parlamentarischen Demokratie abgestumpft werden. Dr. Schumacher schließt damit, daß der kommende deutsche Staat seine Kompetenzen gegenüber primitivem Länderegoismus durchsetzen und andererseits von seinen Befugnissen so viel wie möglich zugunsten einer höheren internationalen Ordnung abgeben müsse.

31 July, a dark day in German history. On this day in 1932, the Nazi party won the Reichstag elections, gaining 37.3 % and 230 seats. The election campaign was the most violent one in modern German history to date.