Flamingopolizist

@flamingopol.bsky.social

Left (!) đŸ‘źâ€â™‚ïž Teile hier Erfahrungen aus dem Berufsleben und eigene Ansichten auf meine verkorkste Behörde.

Chef sagt er gibt dem Kollegium einen aus, wenn ein per Haftbefehl gesuchter & zur Abschiebung ausgeschriebener Mann von uns festgenommen wird. Nach der erfolgten Festnahme: Herz & Party - Emojis in der Messenger Gruppe. Es ist alles ganz normal

Intern wieder ein Fall von sexualis. Gewalt: Trainer ggĂŒ. einer PolizeianwĂ€rterin. Sie hat den Mut besessen, den Sachverhalt zur Anzeige zu bringen. Konsens in meinem Kollegium: "Muss man da sofort Strafanzeige erstatten?" "Wie dumm von ihr. Sie muss doch wissen, dass sie jetzt den Stempel hat."

Neulich wieder "HĂ€usliche Beziehungsgewalt" (korrekt wĂ€re patriarchale Gewalt): Ein Kollege, der rechten Manosphere Bullshit regelmĂ€ĂŸig mit Likes versieht, sinngemĂ€ĂŸ zu ihr: "Willst Du ernsthaft deswegen eine Anzeige erstatten? Denk doch mal daran, was das fĂŒr ihn fĂŒr Auswirkungen haben kann!"

Kfz-Aufbruch. WĂ€hrend der Anzeigenaufnahme an Wache erklĂ€rt der GeschĂ€digte, alle "Junkies zu erschießen" wenn es nach ihm ginge. "Die sollen arbeiten gehen". Aha. Im weiteren Verlauf erzĂ€hlt er mir, dass er nun der CDU beigetreten sei, um das Leben seiner Kinder sicherer zu machen. Weißte Bescheid.

Letztens wieder ein Einsatz "HĂ€usliche Beziehungsgewalt" - Mann schlĂ€gt Frau. Sie bejaht vor Ort das Angebot, sie & ihr Kind ins Frauenhaus zu bringen. Es folgt ein nĂ€chtlicher Telefon- und BĂŒrokratiemarathon. "Leider voll" "Keinen Platz mehr". Nach 2h endlich Erfolg. Soviel zum "25. November" in D

Leider bietet meine Organisation einen guten NĂ€hrboden fĂŒr diese... Partei. Die Behauptung "Spiegelbild der Gesellschaft" ist selbstredend ein MĂ€rchen und wissenschaftlich widerlegt, hĂ€lt sich aber hartnĂ€ckig. In meiner Dienstgruppe bin ich soweit ich weiß der Einzige, der gegen Abschiebungen ist.

Ich bin Polizist und habe seit der Teillegalisierung keine einzige Strafanzeige mehr iV.m. Cannabis fertigen mĂŒssen. Je nach Streifenpartner:in konnte man zuvor manchmal zwar die Kirche im Dorf lassen und nichts schreiben, hat sich aber theoretisch dann der "Strafvereitelung im Amt" schuldig gemacht

Ich habe selten so wenige Körperverletzungen aufgenommen wie in der Zeit als wĂ€hrend der Pandemie zeitweise der abendliche Alkoholausschank & -verkauf verboten wurde. Klar, das öffentliche Leben wurde zu diesem Zeitpunkt auch anderweitig heruntergefahren. Der Zusammenhang steht trotzdem außer Frage.

Ja da ist es mit ziemlicher Sicherheit auch so. Bei meiner eigenen BaL Untersuchung hat die PolizeiÀrztin tatsÀchlich v.a. bei meiner ErwÀhnung der Psychotherapie einige Nachfragen gestellt und sich noch einmal beraten. Psych. Gesundheit ist noch immer "Tabuthema" bei uns "harten" Polizist:innen.

Definitiv! Mancherorts ist die Polizei, wenn es um psy. Gesundheit geht, heutzutage zum GlĂŒck besser aufgestellt. Die Norm ist leider aber noch immer, dass es in der "Cop Culture" als SchwĂ€che gilt, sich helfen zu lassen. Insgesamt befinden wir uns da gefĂŒhlt noch im 20. Jh.

In EinsĂ€tzen mit Menschen in psy. Ausnahmesituationen hilft es m.M.n. regelmĂ€ĂŸig, wenn ich den Leuten von meiner eigenen Psychotherapie erzĂ€hle. Das hat bis jetzt immer Vertrauen geschaffen und den Einsatz sehr erleichtert.

Meine Behörde erschießt pro Jahr in D 10-20 Personen. Psy. Kranke sind ĂŒberdurchschnittlich vertreten. Wieso gibt es einen jĂ€hrlichen Schießtest, aber keine verpflichtenden Seminare zum Umgang mit psy. Kranken? Zu oft wird unprofessionell (=lebensgefĂ€hrlich) bei solchen EinsĂ€tzen von uns agiert.

Es gibt leider diese schrecklichen "worst case"-Situationen, ja. Ich habe jedoch auch andere Situationen erlebt. In denen wir so unprofessional aufgetreten sind, dass ich nur gehofft habe, am nÀchsten Tag nicht in der Zeitung zu stehen... Strukturell kann&muss wirklich vieles verbessert werden.

Das habe ich vor der Polizeiausbildung auch gedacht. In Einsatztrainings wurde ich eines Besseren belehrt. 100%ige Eigensicherung = unmöglich. Man sollte möglichst aufmerksam sein aber A) kannst Du einer Person nie in den Kopf schauen und B) erfordern EinsÀtze oft einen geringen rÀumlichen Abstand.

Eine psych. Erkrankung oder auch eine psy. Ausnahmesituation kann leider Dich & mich & uns alle zeitweise treffen. Es ist leider statistisch nicht unwahrscheinlich. Aber dann möchte ich Polizist:innen ggĂŒ. stehen, die so professionell wie möglich damit umgehen. Vom "worst case" spreche ich nicht.

Es geht hier um diejenigen, denen eben zeitweise !kein! rationales Handeln möglich ist. NatĂŒrlich wĂŒrde eine Person, die kognitiv in einem gesunden Zustand ist, Anweisungen der Polizei befolgen, wenn diese mit einer P99 auf sie zielt. Ich erlebe oft unprofessionelle Eskalation in diesen EinsĂ€tzen.

Wird nicht ĂŒberraschen aber ja, es gibt Kollegen (kein :innen erforderlich) bei der Polizei, die missbrĂ€uchliche Datenabfragen gemacht haben, um Informationen ĂŒber eine Frau zu erhalten und diese nach einem Date zu fragen. Wo Macht ist, ist auch Machtmissbrauch.

Vorschlag: Jedes Unternehmen, das auch nur einen Cent Steuergeld bekommt, oder verpflichtende BeitrĂ€ge einhebt, muss einen GehaltsschlĂŒssel von 1:8 haben. Das höchste Gehalt darf 8x höher als das niedrigste Gehalt sein.