AnkeWe

@ankijoy.bsky.social

ME/CFS Warrior not by choice but destiny (Profilbild: sick not tired in Schönschrift, große Fahne: moderate ME, darunter ein Haus, vor dem ein Rollstuhl steht, während drumherum alles weggebrochen ist)

Liebe ME/CFSler, brauche mal bitte euren Rat: jemand aus meiner Familie liegt mir seit einiger Zeit in den Ohren, ich solle doch mal Brain retraining ausprobieren und mir den Podcast „so Long Covid“ anhören. Ich kann einfach nicht mehr. 1/2

5. Tag: muss das Mestinon-Abenteuer erstmal abbrechen: ich konnte bei der Kombination Hitze und Bauchschmerzen nicht schlafen, musste außerdem 2x auf Toilette. Vielleicht starte ich irgendwann einen Versuch mit Larysin.

Tag 4 mit Mestinon: Schwacher Blutdruck, Kopfschmerzen: kein Wunder bei dem Wetter. Dazu Bauchschmerzen; habe allerdings gestern wider besseren Wissens Auberginen gegessen. Jetzt gibt’s gleich die 2. Portion 10 mg. Gute Idee? Ich werde berichten.

Tag 3 mit 10mg Mestinon morgens; alles wie immer, zur Zeit eher gut 👍. Ob ich mich heute Abend an die zweite Tablette traue? 🤷‍♀️ Habe erfahren, dass es ein Ersatz-Medikament mit demselben Wirkstoff gibt, falls man mit Blähungen reagiert. (Bin ich prädestiniert für)

Liebe #MECFS - Leute, Morgen fange ich an mit #Mestinon. Mein Arzt sagte, zum Anfang morgens und abends jeweils 10mg. Soll ich mit nur 1x täglich 10mg anfangen? Ich freue mich über Meinungen und Erfahrungen, gerne retweet.

Die sozialwissenschaftlich allgegenwärtige Frage, wann und wie es legitim ist, für jemanden* zu sprechen**, hat sich in der psychosomatischen Medizin noch nie jemand*** gestellt *Menschen mit ME/CFS **Krankheitsmodelle aufzustellen ***Professor*innen

Hat jemand den Reha-Aktivist*innen eigentlich schon mal gesteckt, dass wenn Long-COVID laut Studien hauptsächlich nach milden Verläufen kommt, die These von der Dekonditionierung in der akuten Phase nicht wirklich Sinn ergibt. Und auch Traumatisierung ist bei mildem Verlauf wenig plausibel.

Als MECFS/PEM Betroffene benötige ich keinen x-ten Vortrag selbsternannter Experten über Erschöpfung, Müdigkeit etc., auch keine Belehrungen von ahnungslosen Personen. Gebraucht werden Ärzt*innen, die sich weiterbilden und nicht durch bloßes Ignorieren #MECFS betroffener Patient*innen entledigen.

Wenn der Kanzler sich über Buhrufe von Gewerkschafter:innen oder junge Menschen wundert, hat er das wohl mit einer Aufsichtsratssitzung oder Talkshow verwechselt. Demokratie ist laut. Konsens ist nicht der Normalzustand, sondern ihr seltenes Ergebnis. Pfiffe sind ein Frühindikator, kein Defekt! /10

Die rhetorische Operation ist verräterisch. Indem man Pfiffe und echte Bedrohung in einen Topf wirft, entwertet man Letzteres und kriminalisiert Ersteres. Das nutzt vor allem denen, die ihre politischen Maßnahmen kontinuierlich als "alternativlos" darstellen wollen angeblich zum Wohle aller. /9

Echte Verrohung sieht anders aus: Morddrohungen gegen Politiker:innen, Brandanschläge auf Geflüchtetenunterkünfte, bewusste Desinformationskampagnen, Kriminalisierung von Klimaprotesten und Antifaschismus Haltungen. Pfiffe im Saal gehören sicherlich nicht in diese Kategorie! /8

Das Neue ist nicht der Pfiff. Das Neue ist die Empfindlichkeit der Regierenden, die jeden Widerspruch als Angriff auf die Demokratie umetikettieren - wie aktuelle Teile der privilegierten Gesellschaft. Was hier verteidigt wird, ist nicht der Diskurs, sondern der ungestörte "richtige" Vortrag. /7

Ich kann mich auch nicht erinnern, dass man bei den Bauernprotesten das buhende Publikum (das war noch das harmloseste) im Anschluss als "verroht" bezeichnet hat. Hier wird also zusätzlich noch mit zweierlei Maß gemessen. Man unterscheidet zwischen Gegner und Klientel. Das ist wenig demokratisch. /6

Politiker:innen vor Gewerkschaftspublikum wurden immer geprüft. Brandt, Schmidt, Kohl, Schröder - sie alle haben Gegenwind aus dem Saal kassiert, wenn die Linie nicht passte. Das war nie "Verrohung". Das war die eigentliche Funktion solcher Auftritte: sich exponieren! /5